Sieben Chakren und Kundalini

Mit Chakra (Sanskrit, m., चक्र, cakra, [ʧʌkɽʌ], wörtlich: ‚Rad‘, ‚Diskus‘, ‚Kreis‘), Plural Chakren, werden im tantrischen Hinduismus, im tantrisch-buddhistischen Vajrayana, im Yoga sowie in einigen esoterischen Lehren die angenommenen subtilen Energiezentren zwischen dem physischen Körper und dem feinstofflichen Körper (vgl. Astralleib) des Menschen bezeichnet. Diese seien durch Energiekanäle verbunden.

Nach der tantrischen Lehre wohnt in jedem Menschen eine Kraft, die Kundalini genannt wird. Diese befindet sich gemäß dem Tantrismus ruhend am unteren Ende der Wirbelsäule und wird symbolisch als eine im untersten Chakra schlafende zusammengerollte Schlange (Sanskrit: kundala „gerollt, gewunden’“) dargestellt. Sie gilt als die der Materie am nächsten stehende Kraft im Menschen.

In diesem Beitrag möchte ich mich mal dem Denken in Energiezentren und Energieflüssen wie es aus dem Yoga bekannt ist widmen.

Ein Blickpunkt zur „Energie“

Zunächst einmal ein anderer Blickpunkt zur „Energie“, die ja oft als esoterischer Firlefanz abgetan wird. Und sich doch über die Jahrtausende und viele viele Kulturen gut hält.

Die Stimme der Gedanken im Kopf, also das was wir hören, ohne dass es wirklich da ist, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht beweisbar. So ist nur diffuse neurologische Aktivität erkennbar, die zu unspeziisch ist, um sie eindeutig dem Denken, also dem Hören der Gedanken zuordnen zu können. Also im Grunde halluzinieren wir etwas im auditiven Sinneskanal: Wir hören etwas, das nicht da ist.

Und doch ist es einfach zu belegen: Die Stimme der Gedanken bestätigt schließlich selbst, dass es sie gibt.

Was wäre nun, wenn jetzt manche Menschen diese halluzinierte gehörte Stimme zusätzlich auf einem anderen Sinneskanal wahrnehmen können? Wenn sie also statt nur zu hören auch etwas spüren könnten?

Wissenschaftlich ist bei Menschen die diese esoterische Energie gerade wahrnehmen diffuse Aktivität der Neurologie nachweisbar. So als würden sie etwas im kinästhetischen / taktilen Sinneskanal halluzinieren.

So gesehen ist die gefühlte Energie genauso real wie Stimme der Gedanken im Kopf. Und für alle die diese Wahrnehmung mal hatten, stellt sich auch nicht mehr die Frage ob dieses Fühlen real ist.

Die sieben Chakren

Wurzelchakra – Muladhara
Ort: Beckenboden, am Damm zwischen Anus und Geschlechtsorganen
Sinn: Geruch
Element: Erde
Grundprinzip: Körperlicher Wille zum Sein
Themen: Erdung, Lebenkraft, Ressourcen im Leben
Sakralchakra – Svadhisthana
Ort: liegt in der Wirbelsäule, auf Höhe der Geschlechtsorgane
Sinn: Geschmack
Element: Wasser
Grundprinzip: Schöpferische Erzeugung des eigenen Umfeldes
Themen: Lebensfreude, Sinnlichkeit, zwischenmenschl. Verbindungen
Nabelchakra – Manipura
Ort: zwischen Brustbein und oberhalb des Nabels bzw unterhalb des Solarplexus
Sinn: Sehen
Element: Feuer
Grundprinzip: Gestaltung des eigenen Ausdrucks
Themen: Selbstwert, Entscheidungsfähigkeit, Ich-Ausdruck
Herzchakra – Anahata
Ort: in der Wirbelsäule auf Höhe des Herzens
Sinn: Tasten
Element: Luft
Grundprinzip: Tiefe Verbindung zu allem das wichtig ist
Halschakra – Vishuddha
Ort: zwischen Halsgrube und Kehlkopf
Sinn: Hören
Element: Äther
Grundprinzip: Resonanz zum eigenen Sein und der eigenen Bestimmung im Leben
Themen: Kommunikation, Kreativität, Ausdruck des wahren Selbst
Drittes Auge – Ajna
Ort: Raum zwischen den Augenbrauen
Sinn: Intuition
Grundprinzip: Erkenntnis alles Seins
Themen: Bewusstheit, Intuition, Akzeptanz
Kronenchakra – Sahasrara
Ort: Am Scheitel des Kopfes
Grundprinzip: Spiritueller Wille zum Sein
Themen: Spiritualität, Sinn des Lebens, Eins-Sein

Die Kundalini

Die Kundalini ist – wie eingangs in der Definition von Wikipedia bereits erwähnt – eine Urkraft, die in jedem Menschen im Wurzelchakra ruht. Sie wird als eingerollte schlafende Schlange symbolisiert, die erwachen und der Wirbelsäule entlang durch alle Chakren nach oben ins siebte Chakra steigen kann.

Gerade in der Eso-Szene ist das Erwachen und Aufsteigen der Kundalini beliebtes zentrales Thema zahlreicher Workshops, und oft wird das vollständige Aufsteigen der Kundalini in 20 Minuten versprochen.

Hier ein paar weitere Wissenspunkte: Die Kundalini ist pures feminines Prinzip, also Shakti und Energie. Im siebten Chakra ruht das pure Bewusstsein, das das maskuline Prinzip und damit Shiva darstellt. Das feminine Prinzip ist Energie, Veränderung, Bewegung und Leben. Das maskuline Prinzip steht für Struktur, Raum, Ruhe und Bewusstheit.

Das vollständige Aufsteigen der Kundalini durch alle Chakren symbolisiert also die Vereinigung von femininem Prinzip und maskulinem Prinzip. Gleichzeitig sind alle sieben Chakren in Balance und geöffnet.

Alleine der kursive Absatz eben setzt voraus:

  • Das feminine Prinzip ist voll genommen. Da die Kundalini sehr stark mit Sexualenergie in Verbindung gebracht wird, dürfen hier all die Männer in der erweiterten Esoterik-Szene sich mal in eine Runde der Selbstreflexion stürzen. Wenn sie ihre Sexualität gesund leben wollen, dürfen sie das feminine Prinzip in sich willkomen heißen, hegen und pflegen.
  • Das maskuline Prinzip ist voll genommen. Alle Frauen die sich für sensibel und aufgeschlossen halten, und wegen ihrer Feinfühligkeit so große Kundalini-Akivität in sich zu spüren glauben, dürfen hier in eine Runde der Selbstreflexion abtauchen.
  • Das Wurzelchakra ist ausbalanciert und geöffnet. Dysfunktion dieses Chakras drückt sich aus durch Existenzängste, Trägheit, Unsicherheit, Materialismus.
  • Das Sakralchakra ist ausbalanciert und geöffnet. Dysfunktion dieses Chakras drückt sich aus durch Aggression, Wut, Traurigkeit, Süchte.
  • Das Nabelchakra ist ausbalanciert und geöffnet. Dysfunktion dieses Chakras drückt sich aus durch Materialismus, Rücksichtslosigkeit, Kontrollzwang, Ruhelosigkeit, Unzufriedenheit.
  • Das Herzchakra ist ausbalanciert und geöffnet. Dysfunktion dieses Chakras drückt sich aus durch Trennung , Negativität, Zweifel, Unsicherheit, Unausgeglichenheit, Depression.
  • Das Halschakra ist ausbalanciert und geöffnet. Dysfunktion dieses Chakras drückt sich aus durch Rationalismus, Angepasstheit, Kommunikationsblockaden, Isolation, Schüchternheit, Verschlossenheit, Unsicherheit.
  • Das Dritte Augeist ausbalanciert und geöffnet. Dysfunktion dieses Chakras drückt sich aus durch Kopflastigkeit, Isolation, Realitätsverlust.
  • Das Kronenchakra ist ausbalanciert und geöffnet. Dysfunktion dieses Chakras drückt sich aus durch Verunsicherung, Ziellosigkei.

Es heißt in alten Schriften, dass die Kundalini wenn sie erwacht auch alle inneren Dämonen des Menschen erweckt.

Nehmen wir mal aus naheliegenden Gründen (siehe oben) an, für das Erwachen der Kundalini braucht es Arbeit an sich selbst hinsichtlich sowohl des maskulinen Prinzips (Bewusstheit) als auch femininen Prinzips (Energie), sowie Klärung der Themen des Wurzelchakras.

Das alleine führt einen durch so viele unbewusste und verdrängte Bereiche des Lebens, alle Rollenbilder, alle traumatischen Erfahrungen der Kindheit, alle frühen Verletzungen in deisem und früheren Leben (so man dieses Konzept zulassen möchte). Das sind mehr Dämonen als die meisten Menschen in ihrem gesamten Leben auch nur ansatzweise aufarbeiten werden.

Und wie viele derer, die der Meinung sind, ihre Kundalini ist erwacht und aufgestiegen, haben auch nur eine Ahnung davon wie sie diese Reise in ihre Unbewusstes und ihre Vergangenheit anstellen sollen?