Abgespaltene Teile identifizieren

Ein Überblick

Wir erinnern uns aus vergangenen Artikel: Die Teile im Unbewussten werden abgespalten, wenn ein signifikantes emotionales Ereignis passiert, das zu einer massiven Überforderung hinsichtlich der beteiligten Emotionen führt. Und wir wissen noch, das es aus psychologischer Sicht eine Form von Dissoziation ist.

Es werden dabei, gängigen Erklärungsmodellen zu Folge, die überfordernden Emotionen und mit ihnen untrennbar verknüpfte Erinnerungen in einem abgeschotteten Teil des Unbewusst gekapselt. Sie sind nicht verschwunden, sie sind nur schlicht nicht mehr zugreifbar. Sie sind verdrängt.

Da diese Emotionen und Erinnerungen aber unverarbeitet sind, und essentiell immer da sind, können sie ausgelöst durch verschiedenste innere wie äußere Vorgänge aktiviert werden, und dabei bewusst oder halbbewusst werden, oder einfach unbewusst ihre Wirkung entfalten, indem sie die Überforderung mit eben diesen Emotionen in, für andere manchmal deplatziert wirkende, Lebensbereiche bringen. Und das daraus resultierende Verhalten der betroffenen Person wirkt irrational.

Genauso gut kann es auch sein, dass die Auswirkungen nicht mehr nach außen zu sehen sind. Dann hat möglicherweise das Unbewusste schon gelernt, dass es nachteilig ist, diesen Gemütszustand nach außen zu tragen. Statt dessen spielen sich die Dramen rein innerlich ab, und der Betroffene wirkt einfach nur in sich zurückgezogen und verschlossen.

In ihrer ureigensten Natur sind teile nichts anderes als innere Konflikte. Konflikte, die in ihrer Tragweite so tief gehen, dass sie mit Emotionen derart überfordernd waren, dass der menschliche Geist diese Emotionen und die damit untrennbar verknüpften Informationen und Erinnerungen abgespalten und aus dem täglichen Leben genommen hat.

Innere Konflikte

Teile sind also innere Konflikte. Sind innere Konflikte also immer Teile? Nein, innere Konflikte können Teile des Unbewusste sein. Müssen sie aber nicht.

Im NLP gibt es eine ganz einfache Frage um festzustellen, ob es sich beim präsentierten Problem um einen Teil handelt: „Ist es immer so?“

Ist es immer so, dann basiert das Problem auf einem Konflikt mit den Glaubenssätzen des Menschen. Ist es mal so und mal anders dann ist mal ein teil aktiv, und mal der Teil nicht aktiv.

Ist es immer so, also ein Glaubenssatzkonflikt, dann können die Glaubenssätze durchaus geschaffen worden sein in Situationen, in denen auch Teile entweder geschaffen worden sind oder zumindest Teile aktiv gewesen sind. Glaubenssätze haben sehr oft sehr viel mit Teilen zu tun. Aber eben nicht direkt mit dem präsentierten Problem zusammenhängend.

An einem Beispiel lässt sich der Unterschied zwischen „ist immer so“ und „ist nicht immer so“ recht gut zeigen:

Nehmen wir an Person X hat einen Konflikt. X lebt in einer halbwegs funktionierenden Beziehung und hat zwei Kinder. Familie, Privatleben und Beständigkeit sind ihm sehr wichtig. Nun hätte er aber die Chance innerhalb des nächsten Jahres in der Firma, in der er arbeitet, in die Zentrale in einen Managementposten wechseln zu können.

Diese Zentrale ist allerdings in der nächsten Großstadt, die in gut vier Stunden mit dem Auto zu erreichen ist. Da seine Familie nicht bereit ist zu übersiedeln wäre er auf Wochenpendeln angewiesen, würde also nur mehr am Wochenende zu Hause sein.

Der Konflikt ist offensichtlich: Beständig verfügbar innerhalb der Familie zu sein, oder die tolle Chance der Karriere zu ergreifen, die es im lokalen Umfeld so nicht geben wird.

Ist es der Person X mal vollkommen klar bei der Familie zu bleiben, und zu anderen Zeiten ist es ihm völlig klar, dass er die Karriereleiter ergreifen sollte, dann sind am Konflikt Teile beteiligt. Mal ist der eine Teil aktiv, und verteidigt seine Werte, mal ist der andere Teil aktiv, und verteidigt seine Werte.

Hätte Person X ein immer vorhandenes Hin-und-Her aus „ich sollte dies, aber das …“ und „Ich sollte das, aber dies …“, dann ist es ein Glaubenssatzkonflikt, basierend auf den Werten der Person X.

Wenn wir jetzt dem Glaubenssatzkonflikt auf den Grund gehen, können wir eben sehr gut wieder auf verschiedene Teile stoßen, die eben diese Glaubenssatzkonstrukte erfordern, um im Alltag halbwegs konfliktfrei bestehen zu können. Aber mit dem eben erlebten Konflikt haben diese Teile direkt nichts zu tun.

Zusammenfassung
Ist es mal so, und mal anders, dann ist es ein Teil. Oder mehrere Teile. Ist es immer so, dann ist es ein Glaubenssatz-/Wertekonflikt.

Wird es Ausnahmen von dieser so einfachen Regel geben? Ja. Selten, aber doch. Und in diesen Sonderfällen ist es nie verkehrt entweder erst an den Glaubenssätzen und Werten und dann erst an den Teilen zu arbeiten, oder eben andersrum, – erst Teile, dann Glaubenssätze – die Lösung des Problems zu erarbeiten.

Alles klar, alles verstanden? (Und es sage ja keiner: Mal ja, mal nein…)