Die drei Eigenschaften der Urmaterie

Im Yoga, im Ayurveda, und übergreifend in allem vedisch orientierten Denken besteht alle Materie aus drei grundlegenden Prinzipien oder Eigenschaften: Tamas (Trägheit, Dunkelheit und Chaos), Rajas (Rastlosigkeit, Bewegung und Energie) und Sattva (Gleichgewicht, Harmonie und Frohsinn).

Indische Philosophie

Eine kurze Erklärung, was „vedisch“ bedeutet: Die Veda (oder die Veden) ist eine zunächst mündlich überlieferte, später verschriftete Sammlung philosophischer und religiöser Texte im Hinduismus. Und die Veda ist Grundlage von allem, das heute als indische Philosophie wahrgenommen wird, inklusive Yoga, Tantra und Ayurveda.

In der vedischen Philosophie ist das Universum aus Purusha (also Geist, oder „reines Bewusstsein“) und Prakriti (Urmaterie) zusammengesetzt. Diese Urmaterie umfasst alles was benennbar ist, also alles, das sich irgendwie manifestieren kann. Physikalisch gesehen ist ja alle Materie eine Manifestation von Energie, und Albert Einstein hat das mit der berühmten Formel E = mc² sogar berechnbar gemacht.

Die Urmaterie – in unserem westlichen Verständnis also alle Materie und alle Energie/Strahlung – wird im Veda als weiblich empfunden, und stellt das schaffende Prinzip dar. Das reine Bewusstsein hingegen ist das erkennende Prinzip, und ist männlich.

Die Urmaterie: Prakriti

Wie eingangs schon erwähnt setzt sich alle Urmaterie in verschiedenen Mischungen aus drei Grundprinzipien zusammen. Diese drei Grundprinzipen werden die drei Gunas genannt, und sind:

  • Tamas: Das steht für Trägheit, Dunkelheit, Schwere, Trägheit, Faulheit, Interessenslosigkeit, fehlende Klarheit oder Erkenntnis und eine scheiternde weil zu chaotische Energie.
  • Rajas: Das steht für Rastlosigkeit, Bewegung, Energie, Leidenschaft, Bewegung, das Fordernde, Ambitionierte, Dynamische und vor allem für alles, was sich Aufmerksamkeit wünscht.
  • Sattva: Das steht für Gleichgewicht, Harmonie, Frohsinn, Reinheit, Klarheit, Ruhe, Güte und wahren inneren Frieden.

Und diese drei Grundprinzipien beeinflussen sich natürlich auch gegenseitig und in ihrem Michungsverhältnis, und unterliegem einem natürlichen Zyklus der Umwandlung von einem ins andere.

Und da die drei Gunas derart untrennbar zusammengehören werden sie oft auch als ein Begriff „Triguna“ zusammengefasst.

Triguna und Ernährung

Wenn alles aus den drei Grundprinzipien besteht, dann besteht natürlich auch all unsere Nahrung aus diesen drei Eigenschaften. Und somit bestimmt die Nahrung, die wir zu uns nehmen – und somit auch unsere generellen Ernährungsgewohnheiten – auch zu einem guten Teil mit, welche dieser drei Grundprinzipen wir kurz-, mittel- und langfristig in unserem Leben zeigen.

Oft werden in verschiedenen Listen Nahrungsmittel mal so, oder mal anders gelistet. Rechtfertigen lässt sich das immer über genaue Sorten, oder genaue Zubereiutungsraten, oder den spezifischen Reifegrad, oder was auch immer.

Wichtig ist alleine, wie das jeweilige Nahrungsmittel auf dich wirkt, wenn du ehrlich zu dir selbst bist und darauf verzichtest dich selbst zu beschwindeln.

Rajassige Nahrung

Rajassige Nahrung macht Körper und Geist unruhig, sie schürt rajassige Emotionen wie Ärger, Reizbarkeit, Ängste oder verstärkt die Wünsche. „Wünsche“ sind Bedürfnisse, die rein im Kopf existieren, und die aus Erfahrungen der Vergangenheit motiviert in zukunftsorientierte Gedanken bringen. Das oft zitierte Spüren im Hier&Jetzt ist definitiv anders.

Rajassige Nahrung als generell ungesund zu klassifizieren ist praktisch unmöglich. Zum Beispiel gehören Zwiebel und Knoblauch zu den rajassigen Nahrungsmitteln. Mit ihren ätherischen Ölen und anderen Wirkstoffen haben sie durchaus positive Auswirkungen auf den körperlichen Stoffwechsel. Andererseits – Und das probiere bitte jeder für sich selbst aus! Einfach mal 5 Tage völlig auf Zwiebel und Knoblauch verzichten.– heizen sie den Strom der inneren Gedanken an, und machen es sehr schwer innerlich zur Ruhe zu kommen.

Und, zu guter Letzt, eine Frage an den Hausverstand: Etwas, das den körper dazu veranlasst unangenehm zu riechen: Wie „gut“ kann das wirklich sein, für einen Körper in dem ein sozial interagierender Geist wohnt?

Welche Nahrungsmittel wirken rajassig?

Zwiebel, Knoblauch, alle Laucharten (inklusive Bärlauch), Ingwer, Pfeffer, Chili, alle scharfen Gewürze, Kaffe, Tee, Alkohol (in kleinen Mengen), weißes Mehl, Zucker, u.v.a.m.

Auch zu schnelles Essen / Trinken oder ungenügendes Kauen wirkt rajassig.

Viele dieser Nahrungsmittel sorgen für einen kurzen und intensiven Energiestoß durch Stimulanzien oder einen Anstieg des Blutzuckerspiegels – also Rajas – um danach den Körper in ein Tief fallen zu lassen – also Tamas. Die Nahrungsmittel als solches sind dennoch rajassig.

Tamassige Nahrung

Tamassige Nahrung macht träge, faul, deprimiert und reduziert jegliches Einfühlungsvermögen und Empathie.

Zur tamassigen Nahrung zählt alles, was ethisch nicht verträglich ist. Auch alle unreife oder überreife/faule Nahrung, ebenso wie alles, das länger als minimal kurz gekocht wurde, gehört in diese Kategorie.

Hülsenfrüchte gelten als sattvige Nahrung. Wenn die Hülsenfrüchte jedoch um die halbe Welt transportiert wurden, und dennoch günstiger sind als regionale Produkte – weil dort Menschen unter unwürdigen sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten, und auf die Umwelt kinerlei Rücksicht genommen wird – dann ist jeder selbst in der Verantwortung für sich selbst die ethische Verträglichkeit zu bestimmen.

Welche Nahrungsmittel wirken tamassig?

Fleisch, Fisch, Alkohol (in mittleren und großen Mengen) – und insbesobndere Bier, Drogen und Stimulanzien im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes, alle Formen von Tabakkonsum, Pilze, u.v.am.

Sattvige Nahrung

Sattvige Nahrung gibt neue Energie, und unterstützt geistige Ruhe und Heiterkeit. Sie ist gesund, versorgt den Körper mit allen Nährstoffen die er braucht, und entspricht den ethischen Prinzipien.

Damit erfüllt sattvige Nahrung auch noch weitere Aspekte: Sie ist stärkend und harmonisierend für Prana (Lebensenergie), erhebend für den Geist und dadurch förderlich für die Klarheit des Geistes. Sie ist geprägt von Mitgefühl zu allen Lebewesen und sie ist gut für unseren Heimatplaneten mit alle seiner Natur, also ökologisch verantwortbar.

Sich sattvig zu ernähren heißt auch, dass auch das Essen selbst bewusst geschieht, und den angebrachten Respekt vor jeglicher Existenz als solches beinhaltet.

Welche Nahrungsmittel wirken sattvig?

Vollwerternährung, nach Möglichkeit und Verfügbarkeit Bio. Obst, Früchte, Salate, Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Nüsse, Gewürze und Kräuter.

Triguna und menschliches Verhalten

Menschliches Verhalten kann ebenfalls in die drei Gunas eingeteilt werden. Und es ist ganz klar zu beobachten – Jeder bitte für sich selbst ausprobieren! – dass das über die Nahrung zugeführte Guna auch das allgemeine Verhalten jedes einzelnen ganz direkt beeinflusst.

Wer also rajassige Nahrung zu sich nimmt, wird rajassiges Verhalten inklusive der durch Rajas begünstigten Emotionen zeigen. Er wird auch Lust auf noch mehr rajassige Nahrung haben, und auch Sinnesreize bevorzugen, die dem Rajas folgen.

Wer gerne scharf isst, wird mehr vom Scharfen sollen. Er wird auch recht aktiv sein, und lieber Actionfilme konsumieren als Kultur.

Das gleiche gilt für die anderen beiden Gunas: Bier und Schweinsbraten und Pornos sehen bzw Trash-Sex haben wollen ist ein klassisch mitteleuropäischer Kreislauf des Tamas.

Sich gesund zu ernähren, sich mit angenehmen Dingen zu umgeben, sich und anderen Gutes tun ist Sattva.

Konklusio

Du bist, was du isst.

So viel Text, um dann als Konklusio eine Volksweisheit zu erhalten? Im Ernst?

Ja, absolut ernst.

Wer also von Meditation und spiritueller Entwicklung redet, sich aber tamassig oder rajassig ernährt, macht sich selbst und anderen etwas vor. Wer sich tamassig ernährt, und sich wundert, dass er nie etwas auf die Reihe kriegt, braucht sich nicht zu wundern. Wer sich rajassig ernährt sollte als Nebenwirkung in Kauf nehmen, dass er nur sehr schwer zur Ruhe kommen wird.

Du bist also tatsächlich genau das was du isst.

Mahlzeit.