Der blinde Fleck und der Schatten

„Ja sag, hast du da einen blinden Fleck? Du warst doch die ganze Zeit dabei. Und wir hatten das Thema für mein Empfinden schon reichlich oft genug!“

— Ein nahestehender Mensch, unbewusst über blinde Flecken und Schatten

Kennst du wen auf den diese Aussagen zutreffen, oder hast du Bereiche in deinem Leben, wo das wer zu dir sagen könnte? Oder schon zu dir gesagt hat?

Man kann Aspekte einer Situation, die andere stören oder gar verletzen, einfach nicht sehen, sie nicht verstehen und sich schon kurz danach gar nicht mehr erinnern?

Wie wäre es, einen möglichen Hintergrund dieses Mechanismus zu verstehen und daraus eine Idee gewinnen zu können, wie das individuell für sich selbst aufgelöst werden kann?

Hier gibts den Überblick zu diesem Thema.

Welches Grundlagenwissen brauche ich?

Bevor wir das Thema erörtern, braucht es erst ein paar Definitionen, damit wir alle wissen, was hier im Beitrag mit den jeweiligen Begriffen anzufangen ist. Falls du, der geneigte Leser, unter manchen der begriffe etwas anderes verstehst, so akzeptiere bitte für die Zeit dieses Beitrages die hier gegebene Definition. Ich anerkenne hiermit, dass es verschiedene gültige Definitionen für jeden Begriff gibt.

Schatten (nach C. G. Jung)

Der Schatten, als Archetyp nach C. G. Jung, ist in seiner individuellen persönlichen Ausprägung einer der wichtigsten Persönlichkeitsanteile. Neben dem individuellen Schatten gibt es ja auch noch kollektive Schattenanteile, die hier keine bzw. nur eine untergeordnete indirekte Bedeutung haben.

Der Schatten eines Menschen enthält nach Jung, was seinem positiven (naiven) Selbstbild und seiner ‚Theatermaske‘ (Persona) entgegensteht. Des Schattens Dunkelheit – vom Ich-Bewusstsein aus gesehen – ist auch seine Unbewusstheit, und außer Bösem können aus dem Schatten auch positive Entwicklungsimpulse kommen.

Als Teilbereich der Psyche eines individuellen Menschen umfasst der Schatten nach C.G. Jung un- oder teilbewusste Persönlichkeitsanteile, die häufig verdrängt oder verleugnet werden, weil sie dem Vorstellungsbild des Ichbewusstseins von sich selbst entgegenstehen: „Des Schattens Natur lässt sich in hohem Maße aus den Inhalten des persönlichen Unbewussten erschließen“ und deshalb sei Schattenarbeit zugleich auch Bewusstwerdungsarbeit am persönlichen Unbewussten.

Blinder Fleck (Psychologie)

Bei blinden Flecken in der Psychologie handelt es sich um Abwehrmechanismen, auch Neutralisationsmechanismen genannt, um in der analytischen Selbstwahrnehmung eine unmittelbare Konfrontation mit Situationen und daraus resultierend ungelösten Emotionen zu vermeiden.

Man sieht die Situation einfach nicht und kann sich danach schlicht nicht erinnern, selbst wenn es jemand thematisiert. Die Abwehrmechanismen haben auch eine wertvolle Schutzfunktion für die Psyche und dürfen nicht von vorneherein nur negativ bewertet werden.

Allerdings, wie alle ungelösten Emotionen, kann es mittel- und vor allem langfristig zu negativen Folgen für körperliche wie seelische Gesundheit sowie Einschränkungen beim Aufrechterhalten gesunder (oft intimer, d.i. vertrauter) Sozialkontakte führen. Siehe dazu auch den Beitrag „#fake per-sona“.

Zentrum der Persönlichkeit – Ego, Selbst, Schatten (nach C. G. Jung)

In der Analytischen Psychologie nach Carl Gustav Jung nimmt das Konzept des „Selbst“ eine zentrale Stellung ein: als Ganzheit und zugleich Zentrum der menschlichen Psyche, welche das menschliche Bewusstsein und Unbewusstes umfasst.

Das Ego differenziert sich im Laufe der ersten Lebensjahre aus dem Selbst. Nach Jung hat auch das Ego ein Zentrum seines bewussten Seins, womit sich Jungs Psychologie von den meisten anderen Sichten in der Psychologie unterscheidet: Er sieht mehrere Zentren der Psyche, was bei eventuellen Interventionen von großem Interesse ist: Z.B. die Ego State Therapy richtet sich, wenn auch nie explizit ausgedrückt, nach genau dieser Jung’scgen Philosophie.

Und natürlich hat auch der Schatten in dieser Sichtweise sein eigenes Zentrum des Seins. So wie alle abgespaltenen Teile, egal ob es emotionale Persönlichkeitsanteile sind oder anscheinend normale Persönlichkeitsanteile: alle haben ihr eigenes Zentrum, und damit ihre eigenen Persönlichkeitsmerkmale.

Persönlichkeitsanteile

Sind auftretende Emotionen und/oder das damit verbundene Wissen zu stark und zu überfordernd, und können mit dem derzeitigen in der Neurologie verankertem Modell der Welt nicht verarbeitet werden, dann kann der menschliche Geist sowohl Emotionen als auch dieses Wissen darum abspalten.

Es werden Grenzen in der Neurologie eingezogen, und das überforderte Areal wird tatsächlich abgespalten. Im emotionalen Normalzustand sind diese überfordernden Emotionen und das damit verbundene Wissen nicht mehr zugreifbar.

Jedoch gibt es sogenannte Trigger, also Umstände oder Ereignisse, die diese abgespaltene Neurologie wieder aktiviert und mit seinem Geschehen in den Mittelpunkt rückt. Klassisches, deutliches und drastisches Beispiel ist eine posttraumatische Belastungsstörung, wenn Kriegsveteranen durch z.B. ein kleines Geräusch getriggert plötzlich wieder mitten am Schlachtfeld sind und für alle Umstehenden unverständlich in Panik festfrieren.

Wir unterscheiden hier drei Arten von Teilen:

  • Einfache emotionale Teile: Einfache emotionale Teile kapseln schlicht eine überfordernde Situation ab, mit allen ihren überfordernden Emotionen. Sie kapseln jedoch nicht ihre Erinnerungen, sei es Faktenwissen oder andere Emotionen, vom Rest ab, sie geben diese Situation lediglich in einen sicheren Sandkasten, in dem diese toben können, ohne den Rest des Individuums zu beeinträchtigen.
  • Komplexe / massive emotionale Teile: Massive emotionale Teile sperren im Gegensatz zu den einfachen emotionalen Teilen auch weitere Emotionen und/oder Erinnerungen weg, das Individuum hat keinen Zugriff darauf. Die Erinnerungen, das Faktenwissen und die beteiligten Emotionen selbst, wären zu überfordernd, wenn sie abrufbar wären. Daher werden sie verdrängt, und sind bis auf Weiteres nicht zugreifbar.
  • Anscheinend normale Teile: Ist die Situation nicht nur massivst überfordernd, sondern zerstört sie als ganzes das Modell der Welt des Unbewussten, so kann sich ein anscheinend normaler Teil bilden. Dieser Teil ist anscheinend normal, hat alles, was eine eigene Persönlichkeit braucht. Und er agiert ganz alltagstauglich. Nur hat sich sein Modell der Welt so verändert, dass die Welt nach dem überfordernden Ereignis Platz findet. Im Zuge des Ereignisses direkt, oder in den darauffolgenden Ereignissen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch EP’s entstanden, die möglicherweise völlig verdrängt sind. Das macht es manchmal sehr schwer dem anscheinend normalen Teil auf die Spur zu kommen.
    Und im Extremfall wissen die derart entstandenen Teile nichts oder nur sehr wenig voneinander, und wir sind damit schon mitten in einer echten dissoziativen Identitätsstörung gelandet.

Glaubenssätze und das Modell der Welt

Ein Glaubenssatz ist der sprachliche Ausdruck von etwas, an das jemand glaubt, was jemand für wahr hält. Sie sind derart ein Ausdruck innerer Modelle, die jede Person fortlaufend entwirft und andauernd entwerfen muss, um sich in der Welt zu orientieren.

Jeder Mensch hat Glaubens- oder Überzeugungssysteme, die eng mit seinen persönlichen Werten und Kriterien verknüpft sind und die Motivationen, Entscheidungsfindungen, Leistungsfähigkeit erheblich beeinflussen können. Sie prägen sowohl den Lebenswillen, die Fähigkeiten mit Stress umzugehen und ermöglichen außerdem die Entwicklung und Gestaltung von positiven Lebensplänen, Zielen und Bedürfnissen.

Glaubenssysteme bestehen aus mehreren Glaubenssätzen, die sich gegenseitig stützen und verstärken. Und aus den sich ergänzenden und stützenden Glaubenssatzsystemen setzt sich schließlich das individuelle Modell der Welt zusammen: So funktioniert die Welt wie ich sie in meinem Leben erfahren habe.

Verschiedene anscheinend normale Teile können verschiedene Modelle der Welt haben und sehr ähnliche weitere Erfahrungen ganz unterschiedlich wahrnehmen und verarbeiten.

Werte, oder: Was mir wichtig ist

Werte sind das, was uns wichtig ist. Sie finden ihren Ausdruck in eher abstrakten Begriffen wie Sicherheit, Liebe, Ehrlichkeit, Ehre, Treue, Zuverlässigkeit, Verantwortung usw. Sie stehen hinter unseren Verhaltensweisen und sind innere Motivatoren. Wenn jemand sein Verhalten verändern will, aber Werte hat, die zu dem gewünschten Verhalten im Widerspruch stehen, dann wird das Vorhaben keinen Erfolg haben. Das neue Verhalten wird nicht lange beibehalten werden können.

Da Persönlichkeitsanteile abgespalten werden, wenn gerade ein emotional signifikantes Ereignis stattfindet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dem abgespaltenen Teil andere Dinge wichtig sind, als der verbleibenden Gesamtheit. Solange diese zwei Seiten ein und derselben Münze der Meinung sind, dass sie andere Ziele haben, werden sie sich nicht einander annähern oder gar wieder ineinander integrieren.

Metaprogramme, oder: Wie funktioniere ich?

Metaprogramme sind individuell spezifische Wahrnehmungsfilter. Sie sind Strukturen und Muster unseres Verstandes, die unser Denken und Verhalten bestimmen. Sie bestimmen, wie wir Informationen verarbeiten, verzerren, löschen und generalisieren. Sie sind uns normalerweise nicht bewusst, aber sie können es werden, wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten.

Metaprogramme können sich z.B. unter Stress verändern. Auch können verschiedene Persönlichkeitsanteile verschiedene Metaprogramme haben, was dazu führt, dass sie – selbst wenn sie Informationen austauschen – sie einander gar nicht verstehen würden.

Metaprogramm „Informationsverarbeitung“

Menschen haben Vorlieben, wie sie Informationen präsentieren und präsentiert bekommen möchten. Manche wollen / brauchen zuerst einen Überblick über das gesamte, andere wollen / brauchen die wichtigsten Details dazu.

Menschen mit der Informationsverarbeitung „Detail“ werden zuerst alle Details erzählen, die ihnen wichtig erscheinen, und werden dabei sequenziell einen Ablauf nach dem anderen erklären. Bei Erklärungen und Beschreibungen geben sie selten das Ziel und den Zweck an, sondern eher die Reihenfolge der einzelnen Schritte. Werden sie unterbrochen, beginnen sie häufig noch mal von vorne. Umgekehrt werden diese Menschen die Tendenz haben, nach vielen Details zu fragen.

Menschen mit der Informationsverarbeitung „Überblick“ beginnen immer mit dem Überblick, ohne auf die Details einzugehen. Sie beschreiben die Situation eher zufällig und springen häufig von einem Aspekt zum anderen, ohne sich an eine bestimmte Reihenfolge zu halten. Sie benutzen häufig kurze Sätze ohne Präsuppositionen. Wenn sie zu viele Details bekommen, sind sie leicht gelangweilt und werden Fragen nach deren Bedeutung im Großen und Ganzen stellen.

Überblick ist abstrakt, Detail ist spezifisch. Was der eine sagt, kann der andere oft inhaltlich nicht sinngebend verstehen. Das ist in der Kommunikation mit Partnern genauso störend wie beim Austausch von Persönlichkeitsanteilen untereinander.

Wie entsteht ein blinder Fleck?

Wie nun kommt es dazu, dass so ein blinder Fleck entsteht?

Voraussetzung

Zunächst einmal muss ein signifikantes emotionales Ereignis oder eine traumaähnliche Situation auftreten: Missbrauch, Unfall, Misshandlung, verletze Erwartung, oder auch eine von außen banal erscheinende Situation, die jedoch im Inneren voll trifft.

Dabei wird ein komplexer emotionaler Persönlichkeitsanteil abgespalten. Mit dem Teil geht der Zugriff auf die überfordernden Emotionen, weitere beteiligte Emotionen und mit dem Faktenwissen dazu die Erinnerung an die Situation verloren.

Der Mensch kann nicht mehr zugreifen und weiß im Grunde auch nichts mehr von der gesamten Situation.

Auslösung eines Triggers

Es gibt einen oder mehrere Trigger im Leben des Menschens, die immer wieder mal den teil mit den völlig überfordernden Emotionen aktivieren.

Bei jeder Aktivierung verliert der Mensch die Kontrolle, kann sich nicht erinnern, kann absolut nichts mit der gerade erlebten Situation anfangen, und erlebt statt Verständnis und Mitgefühl nur weitere Probleme und negative Folgen.

Kinder mit emotionalem Missbrauch durch z.B. cholerische oder gaslightende Eltern sind hier ein ganz typisches Beispiel. Sie müssen um zu überleben, das ursprüngliche Ereignis ganz abspalten, sonst könnten sie den Eltern nicht mehr vertrauen. Wird jetzt der abgespaltene Teil wieder aktiviert, z.B. durch eine erhobene laute Stimme des Papas, fällt das Kind in den Panik-Teil zurück. Und statt Mitgefühl und Liebe zu erhalten löst es eher die nächste cholerische Welle oder eine weitere Gaslighting-Attacke aus.

Vielleicht einfach, weil der Herr Papa auch in seinen diesbezüglichen Teil mit unverarbeiteten Emotionen gekippt ist. Unreflektierte Eltern sind die absolute Katastrophe für ihre Kinder, da sie jeden erlebten Missbrauch weitergeben werden.
Wie heißt es so schön in der pseudospirituellen Szene? Die Ahnen wachen über uns. Danke, aber könnte mal eine Generation reflektieren und verarbeiten statt all den Mist weiterzugeben?

Als Resultat aus den wiederholt erlebten negativen Folgen beginnt die Person eine starke Angst vor den unbewussten Triggern zu entwickeln. Sie wird Glaubenssätze, Werte, Strategien und andere Mechanismen entwickeln, die bestmöglich die Trigger vermeiden.

Über die Jahre hinweg entwickelt sich die ganze Persönlichkeit des Menschen zu einer triggervermeidenden Identität.

Angst vor der Angst

Angst vor Triggern zu haben ist nichts als die Angst davor die damalige Angst und Überforderung wieder zu erleben, dain wieder einzutauchen.

Angst vor der Angst wird auch Phobie genannt.

Wie bei allen Phobien wird die ursprüngliche Angst irrelevant. Im vorherigen Beispiel des Kindes, das wiederholt Opfer von emotionalem Missbrauch war, wird sich vieles verändern, während das Kind heranwächst. Die Angst und die Angst vor der Angst bleibt jedoch.

Angst vor der Angst führt damit auf abstrakter Ebene zu Überforderung. Der einstige Schutz ist nicht mehr gewährleistet, es kommt doch selten, aber immer wieder zu einer Aktivierung des alten überforderten und jetzt überfordernden Persönlichkeitsanteil. Aber es wird immer peinlicher diese „Aussetzer“ zu haben. Schuld und Scham mischen sich zur alten Angst.

Der blinde Fleck …

Diese kombinierte Überforderung aus Schuld, Scham, Angst vor der Angst und alter tatsächlicher Angst führt jetzt dazu, dass sich ein weiterer Persönlichkeitsanteil abspaltet, der von Schuld und Scham getrieben die Trigger und das Wissen um sowohl die Trigger als auch jegliche beteiligte Emotionen einfach löscht.

Es kann ja nicht sein, dass ich schon wieder einen Aussetzer habe!

Und schon ist der blinde Fleck geboren. Aus der Angst vor der Angst ist ein Konstrukt aus Glaubenssätzen geworden, der den damit verbundenen Teil des Modells der Welt trägt. Die Schuld und die Scham vor den Folgen führen nun dazu, dass alles gelöscht wird, was in diesen Bereich des Modells der Welt fällt.

Das damalige Kind, das Opfer von Gaslighting durch den Herrn Papa wurde, hat sich inzwischen als unreflektierter mit den nun eigenen Kindern ein Leben erschaffen, in dem die Kinderselbst Opfer von cholerischen Anfällen oder Gaslighting oder anderen Arten von emotionalem wie seelischem Missbrauch werden.

Aber der blinde Fleck verhindert sehr effizient, dass das nun erwachsene Kind auch nur irgendwas davon wahrnehmen kann. Emotionaler Missbrauch an den eigenen Kindern? Niemals, so etwas kommt bei ns in der Familie sicher nicht vor.

Es sagt aus dem Freundeskreis jemand was?
„Nein, das kann nicht sein. Ich sehe das anders.“
Und ein paar Minuten ist das Wissen darum weg, das Gespräch hat nie stattgefunden. Bis zum nächsten Gespräch.
Dann ist eine dumpfe Erinnerung daran da. Dumpf deshalb, weil der blinde Fleck weiß, dass es sonst peinlich wird, und noch mehr Schuld und Scham folgen würde.
Also gibt es gerade genug Erinnerung, um die nächste Runde des völligen Löschens aller emotionaler oder inhaltlicher Beteiligung einzuläuten.

Das ist ein blinder Fleck. Alles, was in den Bereich fällt, der früher mal mit der Angst vor den Triggern verbunden war, wird konsequent gelöscht. Man ist völlig blind dafür. Egal, wie hell beleuchtet, es für alle anderen sein mag, wenn sie nur ohne blinden Fleck hinschauen.

… und der Schatten

Wie kommt jetzt der Schatten ins Spiel? Der Schatten kommt hier recht früh schon als der Antagonist der Angst vor der Angst ins Spiel. Und wenn erst der blinde Fleck geschaffen ist, kann der Schatten sich entwickeln.

Konkret kommt mit der Angst schon ein recht abstraktes Bedürfnis doch einfach all das, was stört, zu vernichten, zu unterwerfen und zu kontrollieren. Machtfantasien, die der Identität, die die Ängste erlebt, absolut diametral entgegen stehen.

So sehr entgegenstehen, dass die Identität der per-sona zerstört wäre, wenn auch die Möglichkeit anerkannt würde, dass man einfach die Ursache der Ängste zerstören könnte.

Damit ist direkt der Schatten ins Leben gerufen. Und leider mit dem Schatten auch die Möglichkeit abgespalten über die eigene Flucht aus dem Problem mit der Angst sowie der Angst vor der Angst zu reflektieren.

Ist dann der blinde Fleck entwickelt, so ist der Schatten erst recht gut abgeschirmt. Es existiert ja weder das Wissen um den einstmaligen Terror noch kann ein Gedanke an Kampf gegen den Terror, und damit eine Flucht aus diesem mentalen Gefängnis des blinden Flecks in die Freiheit, aufkommen.

Im zuvor geschilderten Beispiel wäre diese verborgene Freiheit sich einfach einzugestehen, dass etwas gewaltig schieflaufen könnte und entsprechend drastische Maßnahmen erforderlich wären.

Abgeschirmt durch den blinden Fleck und des Verdrängens durch den blinden Fleck wird der Schatten weiter wachsen, und Aggressionen aufbauen gegen Menschen, die im Grunde nur unterstützen wollen.

Der Schatten gewinnt also zusätzlich zu seinen Machtfantasien noch deutliche Aggression.

Wehe, wenn der Schatten irgendwann in einer emotionalen Krise durchbricht und das Kommando über das Handeln des Menschen übernimmt.

Das können dann die Dramen sein, die als Familientragödien in den Nachrichten kommen. Gefahr für Leib und Leben für sich selbst und für andere. Das ist real. Das sind aktiv gewordene Schatten.

Und doch oder genau darum ist dieser Schatten so schrecklich, er muss unbedingt von der per-sona verborgen werden. Und darf damit weiterwachsen und weiterwachsen.

Generell Achtung: In der Regel sind Schattenanteile deutlich abstrakter als es der Mensch selbst normalerweise ist. Metaprogarmm Informationsverarbeitung ist auf Überblick. Der Austausch mit dem Schatten sollte also auf dieser Ebene passieren. Spezifisch ist der Schatten nur, wenn er ganz konkret auf eine Person oder einen ganz bestimmten Sachverhalt abzielt. Sehr selten nur richtet sich z.B. ein Schatten gegen einen konkreten Partner zw. eine konkrete Partnerin. Üblicherweise richtet er sich in solchen Fällen gegen alle, mit denen Intimität aufkommen könnte.

Es ist eine gute Idee sich darüber Gedanken zu machen bevor man seine Schattenarbeit frustriert aufgibt.

Wofür kann ich all das verwenden?

Sich mit seinen blinden Flecken und Schattenanteilen auseinanderzusetzen ist nichts das man mal eben in einer Nachmittagspause erledigt. Auch durch den blinden Fleck zu sehen, auf den dahinter verborgenen komplexen emotionalen Teil, ist nichts das man beim Zähneputzen nebenher tut.

Beides ist etwas wo man sich sehr schnell mit der Illusion der eigenen Identität konfrontiert sieht. Und das kann schon mal Angst machen und in Folge zur Angst vor der Angst führen. Und wenn man dann Schuld und Scham spürt, kann es schnell einen weiteren blinden Fleck geben, der die Arbeit an blinden Flecken oder Schattenanteilen gut maskiert.

Aber nicht mal dann ist alles verloren, es gibt immer noch Reinkarnationen um dieses Problem später zu beheben.

Oder aber man macht sich entschlossen und systematisch ans Werk.

Blinde Flecken finden

Hier wird eine Art gezeigt, wie blinde Flecken entstehen. Vermutlich folgen blinde Flecken oft diesem gleichen Schema: Angst vor der Angst, und dann das ganze aus Schuld oder Scham völlig verbergen.

Alle blinden Flecken haben eins gemein: Unreflektiert ist man ihnen ausgeliefert.

Reflektiert und mit dem Feedback anderer zu eigenen Verhaltensweisen kann man ihnen auf die Spur kommen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es essenziell ist, sich seine Gedanken und Erkenntnisse während der Selbstreflexion aufzuschreiben. Denn der blinde Fleck wird es löschen. Das Papier behält jedoch das Wissen, und man kann damit weiterarbeiten.

Schonungslose Ehrlichkeit mit sich selbst. Den blinden Fleck erst mal annehmen. An Werten und Metaprogrammen arbeiten. Z.B. mit Ego State Therapy und über den blinden Fleck Zugang zum ursprünglichen Teil erhalten und dessen Ursachen und dessen Ziele und Wünsche ans Licht bringen. Damit wird dann oft der blinde Fleck obsolet und er integriert von selbst. Und vor allem die ursprüngliche Thematik lösen, inklusive allem, das noch mit verdeckt worden ist.

Einen blinden Fleck zu finden ergibt nur Sinn, wenn man bereit ist sich zu reflektieren, sich zu verändern, und das zugrundeliegende Problem aufzuarbeiten. Nichts davon wird in der Komfortzone passieren.

Schattenarbeit

Der Schatten ist, wie zuvor gesagt, eine nicht zu vernachlässigende Komponente, wenn es um blinde Flecken und die ursprünglichen Persönlichkeitsanteile geht.

Am Schatten zu arbeiten, ohne die blinden Flecken dazu ebenfalls zu lösen, wird fast ein Ding der Unmöglichkeit sein. Zu leicht kann der Schatten wieder nachwachsen wenn er vom blinden Fleck gedeckt wird.

Nur am blinden Fleck zu arbeiten, birgt die Gefahr, dass der zugehörige Schatten sich nicht von selbst auflöst. Manchmal wird er das tun.

Den Schatten direkt zu adressieren, seine Ziele und seine Emotionen ernst zu nehmen und zu lösen, ist der Weg, den ich gehen würde. Allerdings gibt es hier meines Erachtens keine Empfehlung, die jemand aussprechen könnte oder das tun sollte.

Jede darf seinen eigenen Weg finden. Schattenarbeit ist in der Regel sehr unangenehm und vor allem sehr sehr individuell.

Mit einem Schattenteil zu arbeiten ergibt nur Sinn, wenn man bereit ist sich zu reflektieren, sich zu verändern, und das zugrundeliegende Problem aufzuarbeiten. Nichts davon wird in der Komfortzone passieren.

Fazit

Ob unser Schatten unser Freund und Verbündeter oder unser Feind und Widersacher wird, liegt ganz an uns selbst. Wenn wir wegsehen und ignorieren, dass unser Schatten besser Dinge in unserem Leben manifestiert, als wir selbst es können, wird es schwer sein, ein gesundes und glückliches Leben zu führen. Die Gesundheit läuft Gefahr kompromittiert zu werden und wertvolle Beziehungen werden den Bach hinuntergehen.

Eigenverantwortung und Selbstbestimmung sind der Schlüssel für das Erkennen blinder Flecken und für eine gesunde Integration des Schattens in unser Leben. Niemand sonst wird das für uns integrieren.

Persönliche Entwicklung und Spirituelles Wachstum gehen also wieder mal Hand in Hand: guru.wien