#fake per-sona. Oder: Die Selbstlüge

Selbstlüge, also sich selbst zu belügen, ist weitverbreitet. Niemand ist dagegen gefeit. Und doch verstehen manche das Problem, und andere tun instinktiv etwas dagegen. Was steckt dahinter?

per-sona

Bei den alten Griechen und auch den alten Römern wurde Theater geliebt. Unzählige kleine und große Stücke wurden von herumziehenden Theatergruppen aufgeführt, und es war immer ein Spektakel, wenn mal eine solche Gruppe im Ort war.

Es war nicht für jede gespielte Rolle ein Schauspieler vorhanden, ja es waren in der Regel nicht mal richtige Kostüme für die jeweiligen Rollen vorhanden.

Aber für jede Rolle gab es eine eigene Maske, die vor dem Gesicht des Schauspielers getragen wurde. Damit war den Zusehern auf einen Blick klar, welche Rolle der Schauspieler gerade spielte.

Und diese Masken hatten anstelle des Mundes ein kleines Megafon, einen Trichter. Dieser Trichter dazu diente die gesprochenen Worte gebündelt in Richtung der Zuseher zu lenken, damit die besser verstanden, was gesagt wurde.

Die Maske war also nicht nur Sinnbild für die gespielte Rolle, sondern war auch die Quelle des Schalles. Der Schall der gesprochenen Worte, und somit die Quelle der Illusion des Theaters.

„per-sona“, im Wortsinne also wo der Schall herkommt. „per-sona“: dort, wo die Illusion gestaltet wird.

Person

per-sona ist der Wortstamm des Wortes Person. Wenn also jemand die Frage stellt „Wer ist diese Person?“ dann fragt derjenige im Sinne des Wortes „Welche Rolle spiet dieser Mensch gerade?“

Und, wenn wir kurz innehalten und uns selbst fragen, welche verschiedenen Rollen wir denn in unserem Leben spielen, dann werden wir ehrlicherweise einräumen müssen, dass es doch eine unerwartete Anzahl von Rollen ist.

Eine unerwartete Zahl an Rollen, die wir spielen, eine unerwartete Anzahl an Masken, die wir tragen, und eine unerwartete Anzahl an Quellen des Schalls von Worten, die eine unerwartete Anzahl von Illusionen über uns selbst erzeugen.

Und mit jeder Rolle, die wir unbewusst spielen, stellen wir ebenso unbewusst Erwartungen an uns selbst. Erwartungen, von denen wir annehmen, dass sie unserem jeweiligen Gegenüber der Rolle gefallen würden.

Das wahre Ich

Das wahre Ich, also der echte Kern des Menschen, steht letztendlich – und manchmal sehr weit – hinter all den Rollen, Masken und Illusionen, die ein Mensch zum Besten gibt.

Aber da wir in unserem Kulturkreis in keinster Weise ermutigt werden unserem wahren Ich je Ausdruck zu geben, wissen die meisten von uns gar nicht mehr, wer oder was denn das eigene wahre Ich ist. Ein guter Mensch ist einer, der sich unterordnet und in jeder Hinsicht höchstens durchschnittlich ist.

Kindern schon wird vorgegeben, wie sie zu sein hätten. Mama verlangt andere Dinge als Papa verlangt. Und schon lernt das Kind, dass es zwei Rollen parat haben soll, um Ärger zu vermeiden.

Da Mama und Papa selbst in der regel nichts als #fake sind, und die Beziehung der beiden häufig bereits tot ist, wenn das Kind zur Welt kommt (Glaubenssatz: „Wenn erst ein Kind da ist, wird alles gut sein.“), lernen die Kinder, dass sie Mama und Papa besser nicht trauen, wenn sie zusammen sind. Da sie zu sehr #fake sind, um glaubwürdig zu sein. Und erschafft eine weitere Rolle für das #fake Familienleben

Und da das Kind nicht ermutigt wird, den eigenen widersprüchlichen Emotionen Ausdruck zu verleihen, lernt das Kind mehr und mehr Rollen zu spielen, die es ihm erlauben diese Emotionen abzuspalten zu verdrängen, und derart lebensfähig zu bleiben. Womit wir bei den Persönlichkeitsanteilen sind, die hier schon mehrfach diskutiert wurden.

Und so lernen wir alle als Kind schon sehr viele Rollen zu spielen und ähnlich viele Persönlichkeitsanteile zu schaffen.

Wer jedoch ist mein wahres Ich? Woher sollen wir (= ich in der Summe meiner Teile) das denn wissen?

Die Eltern geben unreflektiert – in der Meinung das einzig Richtige zu tun – den eigenen emotionalen / seelischen Missbrauch an die eigenen Kinder weiter. Die Kinder, von denen einige Teile der Eltern behaupten sie sind das Wichtigste der Welt. Außer, dass einige andere Persönlichkeitsanteile der Eltern genau wissen, dass es sehr viel wichtiger ist, die eigene Illusion aufrechtzuerhalten und die eigene Komfortzone zu schützen.

Sonst würde ja das gesamte Weltbild zusammenbrechen, das sogenannte „Model of the World“ zusammenbrechen, und die eigene Identität verloren gehen.

Psychosomatisch und Somatopsychisch

In der Meta-Medizin und ähnlichen alternativen medizinischen Ansätzen wird jedes körperliche (somatische) Leiden mit einem psychischen Leiden in direkte Korrelation gebracht.

Wenn sich jetzt zwei Rollen inklusive der damit verbundenen Werte widersprechen können folgende psychische Situationen entstehen, eine oder mehrere der im Folgenden gelisteten Emotionen verursachen und damit die gegebenenfalls eines der körperlichen / somatischen Leiden verursachen (wenn man an alternative Medizin glauben möchte):

  • Ärger … Herzinfarkt, Her-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Autoaggressive Störungen
  • Traurigkeit … Schwaches Immunsystem, Depression, Süchte nach Substanzen, Demenz
  • Angst … Stress, Posttraumatische Belastungsstörung, Phobien, Essstörungen, generell chronische Erkrankungen
  • Schuld … Autoimmunerkrankungen, Allergien, Süchte nach Verhaltensweisen, Neuralgien
  • Konflikt … Krebs, Dissoziative Identitätsstörungen, Amnesie (Verdrängung), Kopfweh/Migräne

Hier handelt es sich um eine generelle Zuordnung von Ursache zu Auswirkung. Es gibt genügend Gegenbeispiele, die sich teils doch noch auflösen lassen. Aber es handelt sich um einen guten ersten Ansatzpunkt.

In manchen der verschiedenen alternativen Ansätzen wird weiterhin angenommen, dass – wenn man in ein entsprechendes signifikantes emotionales Ereignis S.E.E. schlittert – man zwei (plus/minus ein halbes) Jahre später in diese psychosomatischen Folgen schlittern kann.

Wenn also jemand eine Krebsdiagnose bekommt, so die alternative Medizin mit allen ihren Schwächen und Unschärfen, wird man zwischen eineinhalb und zweieihalb Jahren zuvor ein S.E.E. im Leben des Diagnostizierten finden. Und ein S.E.E. kann völlig still ablaufen, und es kriegt keiner der Anwesenden mit. Nur die Person selbst kann es benennen.

Teile, Folgen und das wahre Ich

Abgespaltene Teile hatten mal eine positive Absicht. Die Situation ist vorbei, und das Festklammern an der einstmaligen positiven Absicht ist nur mehr belastend. Wenn sich dann teile gegenseitig in die Quere kommen geht es noch viel mehr schief.

Sogenannte blinde Flecken entstehen. Selbst sieht man dies nicht. Wenn es einem wer das sagt, kann der Betroffene es weder kognitiv verstehen noch in Erinnerung behalten. Diese Information geht tatsächlich sehr rasch verloren, und wer es sich aufschreibt, wird sich über die nicht-erinnerte und unverständliche Notiz wundern. Unter Umständen können als Folge soziale Beziehung darunter sehr leiden oder sogar Beziehungen zu Bruch gehen.

Der vedischen Philosophie passieren diese Arten von Verletzungen, wenn man an der eigenen Bestimmung, der eigenen Mission im Leben, unverträglich entgegengesetzt lebt. Das eigene wahre Ich also verletzt.

Wenn dir also jemals wer sagt, du hast in diesem und jenem Kontext einen blinden Fleck, und du es so weit bestätigen kannst, als dass du ahnst, dass du hier Dinge vergisst oder verzerrst: Verlass diesen Kontext umgehend. Egal was es kostet. Verlasse ihn völlig. Hier wirst du nichts gewinnen können, nur deine Gesundheit verlieren.

Deine Gesundheit und dein Selbstbild hängen daran. Verlass den Kontext.

Schatten (nach C. G. Jung)

Oft wird einem alles unbewusste Verhalten als Schatten verkauft. Das ist – diplomatisch ausgedrückt (ja, diplomatisch) – Bullshit! Absoluter Bullshit.

Ein Schatten ist das, was, wenn ich es anerkenne, die Identität meiner wichtigsten per-sona zerstören würde. Nur eine solide Selbstlüge kann das aufrechterhalten.

Eine Selbstlüge ist immer ein Konflikt. Einem Konflikt kann z.B. Krebs folgen. Wird jetzt verständlich warum ganze Ortschaften, die „konservativ“ und wenig gebildet und wenig entwickelt sind, höhere Krebsraten und Alkoholikerquoten haben als aufgeschlossene Orte mit u.U. sogar höheren störenden Umwelteinflüssen?

Fazit

Fazit ist: Jeder spielt mehrere Rollen in seinem Leben. Und das ist okay.

Wer sich selbst reflektiert, hat seine Rollen in bestmöglicher Harmonie miteinander und mit der Mission des wahren eigenen Ichs. Der gut selbstreflektierte Mensch schaut hin und geht Hinweisen nach blinden Flecken nach und handelt danach. Der reflektierte Mensch hat Harmonie zwischen all seinen Rollen und dem eigenen wahren Ich.

Der gut reflektierte (nicht: Selbstlüge: Ich bin reflektiert) Mensch kennt bestmöglich seine Mission im Leben für den aktuellen Lebensabschnitt und arbeitet daran sich immer besser und besser selbst kennenzulernen.

Der nicht-reflektierte Mensch ist unzufrieden und wird früher oder später krank.

Es ist dein Leben. Entscheide dich für das Leben oder dagegen.

#fuck #fake #persona