NLP-Modell der logischen Ebenen

Wenn wir ein Problem identifiziert haben, dann wollen wir doch auch einen Ansatzpunkt haben, der Veränderung hinsichtlich des Problems leicht und einfach erlaubt, oder nicht?
Und egal wo bzw. wie abstrakt das Prolem sich darstellen mag, wir wollen dennoch einen Ansatzpunkt haben, wie wir Veränderung anleiten können. Auch wahr?

Und um genau diese Ansatzpunkte für Veränderung zu geben hat Rober Dilts die „Logischen Ebenen der Veränderung“ geschaffen.

Was sind nun die Logischen Ebenen?

  1. Ebene 6: Zugehörigkeit, Spiritualität, Vision, Mission
  2. Ebene 5: Identität
  3. Ebene 4: Werte, Glaubenssätze, Filter, Metaprogramme
  4. Ebene 3: Fähigkeiten, Strategien
  5. Ebene 2: Verhalten
  6. Ebene 1: Kontext, Umwelt

Jedes präsentierte Problem lässt sich in einer dieser Ebenen lokalisieren. Eine Veränderung, die dieses präsentierte Problem lösen kann, wäre auf der Ebene darüber vorzunehmen.

Die Funktion jeder Ebene ist es, die Information auf der darunterliegenden Ebene zu organisieren. Veränderungen auf einer höheren Ebene haben notwendigerweise auch Veränderungen auf darunterliegenden Ebenen zur Folge. Eine Änderung auf einer der unteren Ebene kann, muss aber nicht, die darüber liegenden Ebenen beeinflussen.

Es ist also absolut relevant die Ebene des Problems sorgfälig zu bestimmen, und die Veränderungsarbeit genau auf der Ebene darüber anzusiedeln. Extrembeispiel um das verdeutlichen: Wenn wer ein Problem mit seiner Umwelt hat, z.B. der Schreibtischnachbar schmatzt beim Kaugummikauen, dann wäre es zu hoch ggriffen, dieses Problem über den Zugang zur Spiritualität zu lösen. Wenngleich es sogar funktionieren könnte… 🙂

Und: Die Regeln bzw. Interventionen, nach denen etwas auf einer bestimmten Ebene geändert wird, unterscheiden sich von jenen, nach denen auf einer anderen Ebene etwas geändert wird.

Ein Problem kann man nicht mit der Art des Denkens lösen, die es geschaffen hat.
— Einstein

Hat also wer ein Problem mit dem Schreibtischnachbarn (= Ebene 1, Kontext und Umwelt), so wäre es ein adäquater Ansatz, zunächst eine Veränderung des Verhaltens (= ebene 2, Verhalten) anzuregen. Z.B.: „Hast du es ihm schon gesagt?“

Mehr zu den Logischen Ebenen

Nun aber ein paar Details zu den einzelnen Logischen Ebenen, um zu verdeutlichen, wofür sie denn stehen, und wie damit gearbeitet werden kann.

Kontext, Umwelt

Jedes Ereignis findet in einer bestimmten Umwelt statt. Das ist die Umgebung, der zeitliche und räumliche Kontext, die äußeren Umstände, die äußeren Auslöser. Die Ebene der Umwelt enthält alle äußeren Bedingungen, die auf eine Person einwirken. Die Phänomene der Umwelt sind äußerlich mit den Sinnen erfahrbar. Umwelt ist sinnlich beschreibbar.

Verhalten

Die Ebene des Verhaltens bezieht sich auf unser konkretes Handeln, auf alle Aktionen und Reaktionen einer Person, die von außen, durch andere Menschen, wahrnehmbar sind: das Verhalten dieser Person, ihr Tun, ihr Handeln, ihre Worte, ihre Stimmwahl, ihre Gestik, ihre Bewegungen, ihre Motorik, ihre Atmung. Auch Verhalten kann mit sinnesspezifischen Begriffen beschrieben werden, also das was andere an der Person „sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken“ können.

Fähigkeiten, Strategien

Unter Fähigkeiten versteht NLP die internalen Strategien, d.h. ein spezifisches inneres Verhalten (Ralf Stumpf), welches ein spezifisches äußeres, beobachtbares Verhalten ermöglicht. Fähigkeiten sind also kognitive (Denken) und emotionale Prozesse (Fühlen), die eine Person durchläuft, damit ein bestimmtes Verhalten möglich wird. Fähigkeiten sind innere Prozesse, sie sind von außen nicht direkt wahrnehmbar. Es sind alle Informationen über ein bestimmtes beobachtbares Verhalten, welche ein außenstehender Beobachter nicht mehr ohne Hilfe der Person erfahren können.

Werte, Glaubenssätze, Filter, Metaprogramme

Es sind die Werte und Glaubenssätze (Beliefs), die wir auf die Dinge haben, die unserem Handeln, bewusst oder unbewusst, zugrunde liegen. Menschen setzen Fähigkeiten, die sie besitzen, nur dann ein, wenn entsprechende Werte und Glaubenssätze vorhanden sind, die den Einsatz dieser Fähigkeiten erlauben.

Werte
Werte bestimmen die Richtung unseres Denkens und unserer Wahr-Nehmung. Werte sind Motivatoren: Wohin wir wollen. Diese Werte beeinflussen bestimmte Glaubenssätze.
Stehen Werte zueinander in Konflikt, sind Menschen unentschlossen und zögerlich. Die logische Ebene der Werte lässt sich weiter unterteilen in Grundwerte, Werte und Kriterien.

Glaubenssätze und Glaubenssysteme
Glaubenssätze sind die Überzeugungen und Leit-Ideen, die Menschen für wahr halten, und als Grundlage ihres alltäglichen Handelns und für den Einsatz ihrer Fähigkeiten anwenden. Sie sind Interpretationen und Verallgemeinerungen aus früheren Erfahrungen, individuelle Theorien, warum etwas so und nicht anders ist. Glaubenssätze bestimmen, was wir denken und wahrnehmen, bzw. was wir uns erlauben zu denken und wahrzunehmen, was wir für möglich halten. Glaubenssätze können Berechtigungen (Erlaubnis) aber auch Einschränkungen (Verbote) beinhalten. Glaubenssätze entstehen durch Gewöhnung oder Prägung (Imprint) in Signifikanten Emotionalen Ereignissen (S.E.E., Significant Emotional Event) und können auf gleichem Wege verändert werden (Neuprägung, Re-Imprinting).

Filter und Metaprogramme
Filter und Metaprogramme sortieren unsere Wahrnehmung und unser Denken, lange bevor sie unser Bewusstsein erreichen. Im NLP unterscheidet man zwischen neurologischen, sozialen und individuellen Filtern der Wahrnehmung. In allen drei Filtersystemen wirken die Prozesse der Tilgung, Verzerrung und Generalisierung. Die sozialen und individuellen Filter bezeichnet man auch als Metaprogramme.

Identität

Die nächste Ebene ist die Ebene der Identität: das Selbst-Bild; die Vorstellungen, die Menschen von sich als ganze Person in ihrem Verhalten, in ihren Fähigkeiten und in ihren Überzeugungen meist unbewusst mitkonstruieren. Es sind die tiefsten, zentralen Werte und Aufgaben und der Ausdruck der Mission im eigenen Leben. Identität ist eine hohe Ebene von Interpretationen: die Interpretation zahlreicher Interpretationen vergangener Erfahrungen. Identität – mit den Polen der personalen und der sozialen Identität – kann auch als besonderer Glaubenssatz gedacht werden: ein Glaubenssatz, den Menschen auf sich selbst anwenden, das zentrale Modell über sich selbst.

Zugehörigkeit, Spiritualität, Vision, Mission

Die höchste Ebene ist die Ebene der Zugehörigkeit, der Spiritualität, der Visionen. Diese Ebene ist eine „überindividuelle Ebene“. Sie beinhaltet die Vorstellungen, Gedanken und den Glauben von Menschen über etwas, das mehr ist, das sie als Person, ihre Individualität überschreitet. Hier geht es um die Zugehörigkeit zu etwas Größerem oder Höherem. Menschen, die ihr Bewusstsein auf die Inhalte dieser Ebene richten, fühlen sich anderen Menschen, der Menschheit insgesamt, der Natur, dem Leben, einer umfassenden Idee oder dem Göttlichen verbunden. Auf der Ebene der Zugehörigkeit finden wir umfassende Visionen, den Sinn des Lebens, Lebensaufgaben, eine Mission, das Erleben der Quelle. Diese Ebene ist zugleich die machtvollste aller Ebenen. Sie gibt den Menschen Sicherheit, Sinn und Verbundenheit. Aber es ist auch die Ebene der Massenpsychologie und die Ebene auf der Kriege geführt werden. Wer viel erreichen will, wird auf dieser Ebene die meiste Kraft finden, für sich selber aber auch für andere. Und es ist die Ebene der Symbole und der Energie.

Zugehörigkeit
Unter Zugehörigkeit versteht NLP das System, dem sich eine Person zugehörig fühlt: Partnerschaft, Familie, Firma, Nation, Kontinent, Welt, Universum, …

Spiritualität
Dies ist die tiefste Ebene, auf der wir die größten metaphysischen Fragen betrachten und umsetzen. „Warum sind wir hier?“ „Was ist der Sinn des Lebens?“ Diese spirituelle Ebene leitet und formt unser Leben und gibt unserer Existenz eine Grundlage. Jede Veränderung auf dieser Ebene hat tiefgreifende Auswirkungen auf alle Ebenen. In gewissem Sinne enthält sie alles, was wir tun, ist aber mehr als die Summe ihrer Teile. Spiritualität fasst all das zusammen, was in metaphysischer, feinstofflicher, philosophischer, … Hinsicht über die Person hinausgeht: Gott / Göttin, Höheres Wesen, Weltgeist, Das Nichts, … Wenn eine Person behauptet, bei ihr existiere diese Ebene nicht oder sei leer, dann ist das auch eine Aussage auf der Ebene Spiritualität.

Vision
Hier ist das Bild von der Welt oder dem eigenen Umfeld angesiedelt, wie es werden soll. Hier ist die Rede von Visionen, die viel zu astrakt sind, um SMART als Ziel formuliert zu werden, oder durch herunterbrechen in einen Projektplan verpackt werden zu können.

Mission
Mission ist der Lebensinn, die Lebensaufgabe, die Botschaft die eine Person lebt. Die Inhalte dieser Ebene werden nach Meinung der Astrologie um das 28. Lebensjahr geprägt. Also gegen Ende der vierten siebenjährigen Periode in der Entwicklung:

  • 0-6 Jahre: Präge-Phase (Imprint)
  • 7-13 Jahre: Modellierungsphase
  • 14-20 Jahre: Sozialisierungsphase
  • 21-28 Jahre: Findungsphase

⇒ Siehe auch: NLP-Portal.

Verändern, aber was und wie?

Kontext, Umwelt

Veränderung passiert auf der Ebene über dem Problem. Ja, meistens. Wenn jedoch z.B. eine Frau von ihrem Mann misshandelt wird, sehe ich es jedoch als angemessen, den Kontext direkt zu verändern. Die Frau gehört raus. Die Idee, ihre anderen Ebenen zu verändern, damit ihr die Misshandlungen nichts mehr ausmachen, lehene ich persönlich eher ab.

Wenn also Gefahr für Leib, Leben oder Wohlergehen, für den Klienten oder andere, besteht, dann ist der Kontext zu verändern. Alles andere kann dann danach verändert und angepasst werden.

Verhalten

Hier geht es um das Was: Was (genau) wird getan? Was könnte jemand von außen an mir beobachten?

Veränderung geschieht, indem mit den Klienten alternative Verhaltensmuster erarbeitet werden, und diese ggf. in Rollenspielen geübt werden.

Fähigkeiten, Strategien

Die Frage dazu ist das: Wie genau führt jemand Tätigkeiten aus? Welche inneren Prozesse, Strategien und Programme laufen ab?

Veränderungsarbeit ist hier das Arbeiten mit den Strategien, was ja auf vielfältige Art und Weise geschehen kann.

Werte, Glaubenssätze, Filter, Metaprogramme

Hier geht es unter andreem um Fragen wie: Was ist wichtig? Was bringt mir das? Warum?

Die Arbeit mit Werten, Glauenssaätzen,. Filtern und Metaprogrammen spaltet teils die verschiedenen Schulen des NLP. Meine Aufforderung: Jeder nehme die Interventionen, die er/sie für richtig halten mag. Und verschone mich mit Glaubenskriegen, welcher der Gurus denn nun rech hat.

Identität

Die Frage dazu ist: „Wer bist Du?“
Wenn auf die Frage keine Antwort kommt: „Was, glaubst Du, denken andere über Dich, wenn Du das machst?“; „Was würdest Du von jemandem denken, der das macht?“; „Was denkt man über jemanden, der sowas macht?“

Jemandem ein neues Selbstverständnis zu geben, jemandem die naürliche und gesunde Selbstliebe zu erschließen, ist etwas, das Menschen über Lebensbereiche hinweg verändern kann.

Letztendlich geht es darum, den Glaubenssatz „Ich bin …“ zu verändern. Dazu kann es nötig sein, die der bisherigen Identität zugrundeliegenden Glaubenssysteme zu verändern, und neue Werte und Glaubenssysteme zu etablieren. Was sind meine Kernwerte, was ist mir wichtig zu mir selbst?

Zugehörigkeit, Spiritualität, Vision, Mission

Hier geht es um die „großen Fragen“ im Leben: „Warum leben wir?“, „Warum sind wir hier?“, „Was ist der Sinn des Lebens?“

Wir sind also in den bereichen der astrakten Philosophie und mitten in der Spiritualität. Engeweihte Hohepriester sind hier eher diejenigen die tätig werden, Coches haben hier meist ihren Wirkungsbereich verlassen. Was auch gut so ist…