Teile bewusst erzeugen

Über Teile und Dissoziation, und darüber, dass dies durch emotionale Überforderung hervorgerufen wird, habe ich ja hier in anderen Beiträgen schon das eine oder andere Mal erzählt. Ich habe auch schon angerissen, wie diese abgespaltenen Teile wieder zuammengeführt bzw. integriert werden können.

Und da ich es gerade in meinem Umfeld präsentiert bekommen habe, möchte ich auch mal kurz beschreiben, wie denn solche Teile bewusst abgespalten werden können (wenn auch die meisten Akteure nicht wissen, was sie da auf psychischer Ebene tun), und wie diese Methode aus der „Gehirnwäsche“ kommt.

Lieber Leser, hier ein Vertrag mit dir: Das was ich hier als Them anreisse, dient deinem Verständnis. Du erklärst dich ausdrücklich bereit, diese Informationen nur zu verwenden, um dich und andere davor zu schützen, ungeschützt in solche Techniken zu laufen. Du versprichst, indem du weiterliest, dass du diese hier beschriebenen Dingen nie aktiv anwenden wirst. Danke.

So lasset die Spiele mit den Teilen beginnen.

Gehirnwäsche

Medizinisch definiert Dr. Robert Lifton, Psychiater und Soziologe, acht Kriterien, anhand derer festzustellen ist, ob Gehirnwäsche vorliegt. Er stützte seine Studie auf die Techniken, die während der Kulturrevolution in Maos China angewendet wurden. Die CIA und andere Geheimdienstorganisationen haben mit Sicherheit ähnliche Ergebnisse mit ähnlichen Techniken erzielt.

Kontrolle des sozialen Umgangs und der Kommunikation
Das bedeutet, dass die Kommunikation unter Personen einer Kontrolle unterworfen wird, bis hin zu einer Kontrolle des Umgangs mit sich selbst (es wird keine freie Zeit und Möglichkeit gelassen, dass der „Kandidat“ über sich nachdenkt und mit sich klarkommt).
Mystische Manipulation
Es wird eine “Spiritualität” generiert, die angeblich spontanes Verhalten fördert, die aber auf einen bestimmten Effekt hin getrimmt ist, der als „geistliche Erfahrung“ erlebt werden soll, ohne dass die Betroffenen sich Rechenschaft darüber anlegen, dass diese Erfahrung vorbereitet war.
Neudefinition der Sprache
Die Worte werden neu kodifiziert; dies erleichtert die Kontrolle über das Denken der Personen. Die „Lehre“ bedient sich vereinfachender Konzepte, die das rationale Denken öfter ausschalten als fördern; die „Erleuchtung” hat Vorrang vor der persönlichen Überlegung, nur die „Erwählten“ können verstehen, was sich innerhalb der Gruppe abspielt.
Die Lehre von der Person
Die Erfahrung, die eine Person in der Realität macht, spielt keine Rolle; wichtig ist der Glaube an das Dogma. Die Überzeugung der Gruppe unterdrückt das Bewusstsein des Einzelnen; wenn etwa die Gruppe eine wunderbare Heilung proklamiert, wofür allerdings die wissenschaftliche Beglaubigung fehlt; eine Person, die schwer krank ist, kann sogar selbst versichern, sie sei geheilt. Es ist wichtiger, das Dogma aufrechtzuerhalten als das echte Wohlergehen der Person.
Die heilige Wissenschaft
Die Gruppe verfügt über ein absolutes, wissenschaftliches und moralisches Wissen, das nicht in Frage gestellt wird.
Ein Kult der Beichte
Das öffentliche Schuldbekenntnis dient der Manipulation der Person; persönliche Abgrenzungen müssen fallen, wie sie im kirchlichen wie im therapeutischen Bekenntnis üblich sind. Es handelt sich dabei um einen klaren Missbrauch, mit dessen Hilfe Menschen durch fehlgeleitete Information schlecht gemacht und kontrolliert werden können. Ziel ist, die Identität der Person zugunsten der Gruppenidentität auszulöschen.
Überzogene Forderungen nach Reinheit
Die Forderung nach unerreichbarer Vollkommenheit erzeugt Schuldbewusstsein und Scham; man erreicht dadurch die Bereitschaft, sich gering zu schätzen und selbst zu züchtigen, weil man das Ideal, nach dem man strebt, noch nicht erreicht hat.
Die Auslöschung der eigenen Existenz
Die Gruppe ist es, die die Daseinsberechtigung vergibt. Es gibt keine gerechtfertigte Alternative zur Gruppenzugehörigkeit. In totalitären Regimes rechtfertigt dies die Hinrichtung politischer Dissidenten. Die genannten Mechanismen der Einflussnahme haben psychologische und physiologische Folgen, die genau studiert sind; sie hemmen die Überlegung und schaffen eine hohe Beeinflussbarkeit, die das Verhalten der Gruppe leichter kontrollierbar macht.

Diese, und die folgende, Liste habe ich von hier übernommen, nachdem ich sie durch findings an anderen Stellen im Netz validiet habe. Verifiziert, indem ich das Werk von Herrn Lifton gelesen habe, habe ich diese Information nicht.

Dr. John Hockman, Professor für Psychiatrie an der Universität von Kalifornien, schlägt vereinfacht folgende Triade vor, wie Gehirnwäsche in Sekten funktioniert:

Das Wunder
Hinsichtlich des Anführers oder seines Wirkens herrschen magische Vorstellungen.
Das Geheimnis
Hinsichtlich der Praxis und der tatsächlichen Glaubensinhalte der Gemeinschaft herrscht strengstes Stillschweigen. Es werden einige psycho-physiologische Kontrollmechanismen bei den Menschen angewendet, ohne dass diese sich dessen bewusst wurden
Die Autorität
Die Leitung ist autoritär und absolut; sie benützt die Personen, um die Bedürfnisse der Gruppe zu befriedigen.

Egal welche Faktoren es braucht, welcher Sichtweise man geneigt ist zu folgen: Es steht außer Zweifel, dass es möglich ist. Vielleicht werden manche Menschen zerbrechen statt „nur“ umgeformt zu werden. Jedoch ist es möglich, ein Gehirn zu waschen.

Und, was die Definition klarmacht: Nicht nur Geheimdienste waschen Gehirne, auch Sekten, oft sogar kleine Gruppen, wenden die Gehirnwäsche an. Als Schlussfolgerung: Die Methoden sind also weder schwer zu erlernen, noch sind sie in irgendeiner Weise an Mittel und Ressourcen gebunden, die nicht jederman zur Verügung stehen würden.

Alltägliche Praxis

Da ich oben angedeutet habe, dass ich eine Praxis der Abspaltung von Teilen gerade in meinem Umfeld präsentiert bekommen habe, möchte ich dies kurz aufzeigen, bevor ich den Mechanismus der Abspaltung zeige.

Es handelt sich um keine Sekte, die totale Kontrolle per Gehirnwäsche generieren will. Es handelt sich um eine Serie von mystisch/spirituellen Persönlichkeitsentwicklungsseminaren. Der Seminarleiter wendet dabei recht gut verdächtige Methoden an. Ich erkläre, was wie gemacht wird, anhand der Triade von Dr. John Hockman, dem Professor für Psychiatrie.

Das Wunder
Der Seminarleiter gibt an, in der Lage zu sein, eine Wesenheit herbeirufen zu können. Diese Wesenheit ist die Seele eines erleuchteten Meisters, und hat die Fähigkeit tiefenpsychologische Veränderungen in den Teilnehmern hervorrufen zu können.
Anmerkung: Den Effekt, den die Teilnehmer individuell bemerken – namentlich das Abhandenkommen der belastenden Emotionen -, wird durch massive emotionale Überforderung und damit der Abspaltung dieser Emotionen erzielt. Damit ist das „Problem“ jedoch nicht gelöst, es ist im Gegenteil durch künstliche Traumatisierung wesentlich verschlimmert. Die Emotionen sind nur verdrängt, mit allen Risiken und Nebenwirkungen auf körperlicher und sozialer Ebene.

Das Geheimnis
Die Teilnehmer werden darauf eingeschworen, dass sie ein erlesener Kreis sind, dem die Ehre zu Teil wird, von der Wesenheit „behandelt“ zu werden. Das ganze Seminar bzw. die Serie heißt „Schattenintegration“. Und allein die Namensgebung baut auf den Effekten des Horrorthrilers „Der Exorzist“ und dem Mythos um Dr. Jekyll und Mr. Hyde auf. Seither ist der Begriff des Schattens sehr mystisch und schrecklich besetzt.
Damit wird gespielt, da die Teilnehmer durch die Bank auch darauf verzichten sich Wissen in diesen Bereichen anzueignen. Oder, wenn sie mit dem Meta-Wissen darum in Kontakt kommen (wie z.B. durch Gespräche mit mir) so starken sozialen Druck aus der Gruppe bzw. ebenfalls inolvierten Partnern bekommen, dieses Wissen zu verdrängen. Nicht mal das banalste Wissen um Jungs Archetypen „Schatten“ eignen sie sich an. Um „Schatten“ zu identifizieren wird reuds sinngemässe „Wahrnehmung ist Projektion“ eingesetzt. Was dich an andern stört, ist dein Schatten, und gearbeitet wird wiederum mit den stärksten Projektionen.
Die Autorität
Der Seminarleiter positioniert sich als die eine Autorität, die alle auftauchenden Probleme behandeln kann, und zudem magische Unterstützung durch die Wesenheit hat. Aktiv unterbindet er, dass Teilnehmer Wissen von außen einholen oder gar einbringen. Die typischen „Probleme“ in solchen Selbsterfahrungsgruppen, also Sexualität und Beziehung, löst er dadurch, dass er die Gruppe in sich in (sexuellen) Austausch bringt bzw. entsprechende Ermutigungen ausspricht, und damit die Gruppe in sich noch mehr schließt. „Eifersucht“ ist ein regelmässig wiederkehrendes Thema das in emotionale Überforderung gesteigert wird, um dann abgespalten auf magische Weise nicht mehr fühlbar zu sein.

Nein, es ist keine Sekte. Nein, die Seminarbeiträge sind nicht exorbitant teuer. Aber ja, die Teilnehmer werden verändert und aus ihren normalen sozialen Rahmenbedingungen gehoben, und ihr Leben ist massiv beeinflusst indem sie über eigene Grenzen geschickt werden, die sie dank fehlende Emotionen nicht mehr empfinden.

Und die fortlaufende Abspaltung von Emotionen führt langfrstig zu vollständig fehlenden Emotionen, damit einhergehenden sozialen Beeinträchtigungen, und somit zu echten Problemen. Wenn regelmässig Eifersucht überfordert wird, ohne die Themen dahinter sauber zu lösen, ist anzunehmen, dass jedesmal ein Stück weit Liebe mit in die Abspaltung geht.

Ich habe über Zufall, falls es so was gibt, davon erfahren. Und, weil ich mich mit Schamanismus und Huna beschäftige, einen Vertrauensvorschuss gekriegt, und wurde in die Praktiken eingeweiht. Allerdings bin ich mit meine Warnung und meiner Bitte nicht mehr teilzunehmen völlig abgeblitzt. Das Angebot Wissen zu vermitteln wurde empört abgelehnt, mit dem Versuch mir Schuld unterzujubeln. Ja, eh.

Und ich brauche mir keine Sorgen zu machen, es ist alles gut.

Now, let’s play…

Wie installiere ich also einen Teil? Was ist der Mechanismus, wie ich Überforderung erzeuge?

  1. Etabliere dich als Autorität, und denke daran, dass es um Emotionen geht. Hier kann es ausreichend sein, voller Überzeugung zu sagen: „Das habe ich schon hinter mir, ich weiß alles darüber.“
  2. Elizitiere die wichtigsten ein oder zwei Werte eines Lebensbereichs. Beziehung, Sexualität oder Spiritualität eignen sich hervorragend.
  3. Frag nach einem beliebigen Problem in diesem Lebensbereich das mit einem Top-Wert zusammenhängt.
  4. Elizitiere die Emotionen hinter diesem Problem.
  5. Verknüpfe die schlechten Emotionen hinter dem Problem mit dem Leben und der Person des „Betroffenen“. Verknüpfe die positiven Emotionen hinter dem Problem und zur Lösung mit dir selber, und dem was du als Autorität versprochen hast.
  6. Polarisiere mit Fragen wie: „Was willst du?“, „Wovon hast du genug?“. Baue dabei zugleich Schuld und Angst auf: „Wie kannst du nur?“, „Wo soll dich das hin bringen?“, „Denkst du nur an dich selbst?“. Wiedehole das in Zyklen, und spanne den Bogen immer straffer. Du wirst den Shift in der Physiologie sehen, wenn der Bogen zerbricht, und die Emotionen abgespalten werden.
  7. Jetzt hole den „Betroffenen“ zurück in den „normalen“ Zustand, Ankern aus dem NLP ist hier eine grossartige Sache. Bedanke dich bei der Wesenheit für die intensive Unterstützung, die mit Sicherheit auch der Betroffene gespürt hat.
  8. Gib dem Betroffenen eEin oder zwei Minuten Zeit um die neurologische Spaltung zur Gänze zu vollziehen. Ich würde in der Zeit Rauchopfer für die Wesenheit vorschlagen, das erspart dir, mit dümmlich andächtigen und ergriffenem Gesicht still dasitzen zu müssen.
  9. Test und Future Pace: Frage den „Betroffenen“ wie er bzw. sie sich mit den problematischen Emotionen fühlt. Die Chancen sind exzellent, dass nicht mehr zugegriffen werden kann. Dann mache den Future Pace, lass den „Betrioffenen“ sich selbst versichern, dass es in Zukunft kein Problem mehr sein wird.
  10. Sollte Test oder Future Pace ergeben, dass da noch Emotionen sind demütige den „Betroffenen“ vor der Gruppe: „Es ist schon ein krasser Mangel an Respekt und wohl eine ordentliche Portion Dummheit, an diesem Problem trotz höchster Unterstützung festzuhalten. Wie kannst du das nur deinem Umfeld antun? Tue doch einfach was dir die Wesenheit gebietet zu tun.“
    Und dann mache weiter damit, den Bogen zu überspannen.

So einfach, nicht wahr? Alles was es braucht, ist Überzeugung beim Aufschaukeln des Konflikts. Ein Mind-Set a la „Wir haben uns alle lieb“ wäre hier hinderlich. Es darf schon grimmige Entschlossenheit sein, den Bogen überspannen zu wollen und ihn brechen zu lassen.

Übrigens lässt sich der Konflikt auch genauso einfach mit einer ganzen Gruppe erzielen. In diesem Fall wird das Spannungsfeld über hypnoische Metaphern aufgebaut, die Emotionen und der Konflikt derart direkt installiert. Der Gruppenrapport wird die Erfahrung des Aufschaukelns verstärken, und wenn die ersten in der Gruppe in Tränen ausbrechen und in sich zusammenfallen (bitte vorher strikt untersagen zu „helfen“, das erhöht Schuld und Angst in denen, deren Bogen noch nicht gebrochen ist) wird die Gruppe in einem sehr sehr hohem Prozentsatz die induzierten Emotionen abspalten.

Nach Louise Hey, die ja jedes physische Symptom bzw.jede körperliche Krankheit mit einem psychischen Auslöser in Zusammenhang bringt, ist ein innerer Konflikt (das ist eine abgespaltene und damit nicht verarbeitete Emotion) sehr oft der Auslöser für Krebs. Nein, das ist nicht bewiesen. Aber es ist meine Einladung, doch mal darüber nachzudenken.