Das Dramadreieck

Das Dramadreieck beschreibt ein grundlegendes, in vielen Märchen und Heldensagen lange tradiertes Beziehungsmuster zwischen mindestens zwei Personen, die darin die drei Rollen des Opfers, des Verfolgers und des Retters einnehmen. Im Modell des Dramadreiecks wird beschrieben, wie diese Rollen zusammenhängen und wie sie oft reihum gewechselt werden.
— aus Wikipedia: Dramadreieck

Täter, Opfer, Retter

Der Täter tut dem Opfer etwas an. Oder das Opfer fühlt, dass der Täter etwas getan hat. In der Regel sieht sich das Opfer als Opfer, und der Täter sieht sich ebenfalls als Opfer, während das Opfer ja der wahre Täter ist.

Alles klar? 🙂

Der Retter ist derjenige, der in dieser Situation zu helfen versucht, oder von beiden, Täter wie Opfer, als beeinflussender Faktor wahrgenommen wird. Andersrum: der Retter nimmt sich nicht immer als Retter wahr. Vielleicht wollte er ein wenig unterstützen, mehr nicht. Und vielleicht wollte er nicht mal das.

Klar ist somit, dass die Rollenverteilung ohnehin unklar ist.

Es gibt also einen Täter, der etwas tut. Es git ein Opfer, das sich benachteiligt fühlt. Und es gibt den Retter, der sich entweder gegen den Täter stellt, oder der das Opfer unterstützt.

Der Rollenwechsel

Typischerweise werden sich Rollen verändern. Und da die Rollen ohnehin schon oft nicht so klar bezogen sind, kann das sehr schnell gehen.

So kann der Täter dann plötzlich den Retter angreifen. Was mischt du dich da überhaupt ein?
Dann wird der Retter zum Opfer, und in der Regel wird das bisherige Opfer in die Rolle des Retters schlüpfen, und das neue Opfer verteidigen.

Oder der Retter stellt sich gegen den Täter. Wird also zum neuen Täter, der bisherige Täter wird Opfer, und das bisherige Opfer möglicherweise zum Retter.

Oder das Opfer, mit Rückendeckung durch den Retter, geht plötzlich zum Gegenangriff über, wird zum Täter.

Und so weiter, und so weiter, und so weiter.

In echt dynamischen Dreiergruppen können sich dann durchaus mehrere Handlungsstränge entwickeln, wo dann jeder der Beteiligten alle Rollen zeitgleich inne hat.

Persönlichkeitanteile

Wie Wikipedia so schön sagt, braucht es gar keine drei Personen für ein Dramadreieck. Auch zwei Personen oder gar nur eine Person genügen.

In desem Fall üernehmen andere Persönlichkeitsanteile die verschiedenen Rollen: Ich bin echt zu blöd dafür. Aber wie soll ich mich denn auch noch darum kümmern, hab sowieso schon zu viel zu tun. Mir ist das alles viel zu viel.

Tja, und da hier im Blog schon mehrmals von Teilen bzw. Persönlichkeitsanteilen die Rede war, nun natürlich die Frage: Ja und?

Als Coach oder Therapeut ist z.B. bei autoaggressivem Verhalten das Dramadreieck möglicherweise ein guter Ansatz, um das Geschehen im Klienten zu verstehen, und somit die erfolgsversprechenden Interventionen zu bestimmen.

Autoaggresiv? Hmmm, was wäre, wenn alle Autoimmunerkrankungen „nur“ autoaggressives Verhalten auf tiefer unbewusster Ebene wären? Was könnte ich dem Täter geben, damit er das Opfer in Frieden lässt?