Alphatiere und andere

In diesem Beitrag geht es um eine etwas andere Art der Einteilung von Persönlichkeitstypen, eine Einteilung, die eher in den Medien als in der Psychologie verwendet wird. Dennoch ist es für den Alltag eine möglicherweise interessante Kategorisierung.

Alpha-Männchen, und seit einigen Jahren die Alpha-Mädchen, sind ja weithin bekannt. Doch was genau heißt es, Alphatier zu sein? Und was sind diejenigen, die nicht Alpha sind?

Alpha-Männchen und Alpha-Mädchen

Alphatiere und Alphatierinnen wollen ihr soziale Gruppe anführen, und haben das nötige Aggressionspotential, um ihren Anspruch geltend zu machen. Die Tatsache, das nötige Aggressionspotential zu haben, sagt nichts darüber aus, auch die nötige soziale und ggf. körperliche Stärke dafür zu haben.

Nehmen wir eine Affenbande als Beispiel. Das vermutlich körperlich stärkste Alphatier wird wohl das Rudel anführen. Im Rudel werden noch einige andere Alphatiere sein, die den führenden Alpha immer wieder angreifen und provozieren. Um einfach zu versuchen ihren eigenen Führungsanspruch geltend zu machen.

Ein typischer Alpha wird seinen Gegner meist nur ordentlich in die Schranken weisen. Oder, im Affenclan, auch mal ein Exempel statuieren und eine echte Hinrichtung veranstalten, seinen Gegenspieler für alle gut sichtbar aus der irdischen Existenz stoßen.

Das Verhalten der menschlichen Alphas ist da nicht recht anders. Der Gruppenführer bzw. die Gruppenführerin ist in der Regel nicht daran interessiert, die Gruppe zu schwächen, wird also den Opponenten nur in seine Schranken weisen. Eine eventuelle Hinrichtung erfolgt in sozialer Natur, aber doch für alle gut sichtbar exekutiert.

Nicht alle erkennbaren menschlichen Alphas entsprechen diesem Muster. Nun, zum einen sind Personen mit einer antisozialen Störung recht weit verbreitet in der Führungsriege. Anders gesagt: Es handelt sich um Soziopathen, die weit überdurchschnittliche Fähigkeiten haben, und nicht aus Gruppenverhalten heraus anführen, sondern um ihre eigenen Vorteile umzusetzen.

Und zum anderen gibt es viele erzogene Alphas. Sie haben entweder bei den Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen modelliert, oder sind als brave Betas in der Karriereleiter hochgewandert, und plötzlich in der Alphaposition gelandet.

Beta-Tiere

Beta-Männchen und Beta-Mädchen wären schon gerne Alpha, wissen aber genau von sich selbst, dass sie ich nicht trauen. Es fehlt Selbstbewusstsein und Aggressionspotential.

Beta-Tiere hängen sich gerne an erfolgreiche Alphas an. Genießen so etwas vom Erfolg, den sie selbst nicht anstreben. Typische Seilschaften in großen Organisationen haben oben ein oder zwei Alphas, und in weiterer Folge dann eine Serie von Betas, die unterstützen und dadurch mit nach oben wandern.

Auch unter den Betas finden sich viele, die so erzogen worden sind, ihr wahres Naturell aber ein anderer Typus ist.

Gamma-Tiere

Gamma-Tiere sind die Unsichtbaren. Egal was sie können und was ihre Fähigkeiten sind, die Gammas verstecken sich, tragen zwar zur Gruppe oft nicht unwesentlich bei, verschwinden aber im Gruppendasein.

Die menschlichen Gamma-Männchen und Gamma-Mädchen haben oft echte Themen mit ihrem Selbstbewusstsein, was oft aus schwierigen Erlebnissen aus der Kindheit rührt.

Sigmund Freud scheint mit Vorliebe Gammas „zerlegt“ zu haben, und hat daher vielleicht auch einen guten Teil seiner Überzeugung gewonnen, alles habe seinen Ursprung in der Sexualität und in der Kindheit: Sexuell missbrauchte Kinder haben im Erwachsenendasein dann oft das Verhalten ausgebildet, sich sozial unsichtbar zu machen, bloß nicht aufzufallen.

Auch diese Menschen, die sich für ein gamma-Dasein entschieden haben, sind in ihrem Grundtypus oft keine wahren Gammatiere.

Omega-Tiere

Ein Omega-Männchen oder Omega-Mädchen ist sich im Grunde selbst genug. Manche sind reine Außenseiter, oder werden Eremiten auf entlegenen Bergen. Im Grunde ihres Daseins sind sie jedoch nicht wirklich an anderen interessiert.

Doch, sie nehmen in der Regel am sozialen Leben der Gruppe teil, leisten auch ihren Beitrag. Nur strengt sie dieser Beitrag an. Und es ist ihnen auch wenn das Alphamännchen wechselt. Sei sind intern referenziert, und wer von außen Feedback an sie heranträgt ist ihnen egal.

Sigma-Tiere

Sigma-Männchen und Sigma-Mädchen sind recht selten. Sie haben meist sehr gute Fähigkeiten, jedoch ein Aggressionspotential, das sie sehr gut kontrollieren können. Und sie sind sehr gut darin, die Gruppe durch geschickte Beeinflussung dorthin zu lenken, wo sie die Gruppe haben wollen.

Im Affenclan sind das die Tiere, vor denen die Alphas Respekt und manchmal sogar Angst haben, obwohl es nie zu einer Auseinandersetzung zwischen Sigma und Alpha gekommen ist. Und wenn dann plötzlich der Alpha tot am Boden liegt, und kein neuer Alpha seinen Sieg zelebriert, dann ist der Konflikt zwischen Sigma und Alpha zu groß geworden, und der Sigma hat oft mit Hilfe der Gruppe den Alpha beseitigt. Und keiner weiß, wie das gekommen ist.

Auch dieses Verhalten ist in menschlichen Gruppen oft zu beobachten. Wie oft kommt in den Nachrichten, dass Person X völlig überraschend den Rücktritt oder Rückzug verkündet hat? Die Organisation musste sich von Person Y trennen, es gibt keine Idee wer der Nachfolger sein wird?

Unbekannte Sigmas im Hintergrund lassen grüßen…