Interventionen für Teile

Teile im Unbewussten

Ausführlich Thema hier war schon, dass im Unbewussten durch Überforderung sich Teile abspalten können. Wir haben auch festgehalten, dass Anscheinend Normale Persönlichkeitsanteile ANP und Emotionale Persönlichkeitsanteile EP entstehen können.

Auch schon Thema war, dass die Teile Emotionen wegkapseln, und damit der direkte Zugriff auf diese Emotionen verloren geht. Und dass das Unbewusste dies Emotionen aus den vorhandenen Erinnerungen wiederherstellt. Zwar als Kopie, ohne echten Kern, aber als die ursprüngliche Emotion. Diese nachgemachte Emotion wird dann im Alltag weiter entwickelt, und gewinnt an Leben, hat aber dennoch ihren Kern, ihre Seele abgespalten.

Damit stellt sich die Frage, ob irgendwer unter uns noch echte, wahre Emotionen zur Verfügung hat. Das ist eine gute Frage, die vermutlich nicht wirklich beantwortet werden kann. Aber denk einfach mal daran, wie viel Aufsehen eine wahrhaft emotionale Reaktion mit positiven Emotionen auf sich zieht. Da schaut jeder hin, da scheint was Ursprüngliches zu passieren. Und das passiert leider nicht sehr oft. Oder?

Und ich habe schon erläutert, dass diese Teile untereinander Erinnerungen bzw. Faktenwissen und Emotionen bzw. emotionale Erinnerungen teilen können, oder diese Erinnerungen voreinander verbergen (verdrängen) können.

Und in früheren Artikeln habe ich schon erwähnt, dass wir uns diese abgespaltenen Emotionen, und mit ihnen den ganzen abgespaltenen Teil zurückholen können.

Aber wie geht das? Gibt es ein Patentrezept dafür?

Arten von Teilen

Einfache Emotionale Teile EP
Einfache Emotionale Teile kapseln schlicht eine überfordernde Situation ab, mit allen ihren überfordernden Emotionen. Sie kapseln jedoch nicht ihre Erinnerungen, sei es Faktenwissen oder Emotionen, vom Rest ab, sie geben diese Erinnerungen lediglich in einen sicheren Sandkasten, in dem diese toben können, ohne den Rest des Individuums zu beeinträchtigen.
Komplexe / massive Emotionale Teile EP
Massive Emotionale Teile sperren im Gegensatz zu den einfachen EP auch Emotionen und/oder Erinnerungen weg, das Individuum hat keinen Zugriff darauf. Die Erinnerungen, das Faktenwissen und die Emotionen selbst, wären zu überfordernd, wenn sie abrufbar wären. Daher werden sie verdrängt, und sind bis auf weiteres nicht zugreifbar.
Anscheinend normale Teile ANP
Ist die Situation nicht nur massivst überfordernd, sondern zerstört sie als ganzes das Modell der Welt des Unbewussten, so kann sich ein Anscheinend Normaler Teil ANP bilden. Dieser Teil ist anscheinend normal, er agiert ganz alltagstauglich. Nur hat sich sein Modell der Welt so verändert, dass die Welt nach dem überfordernden Ereignis Platz findet. Im Zuge des Ereignisses direkt, oder in den darauf folgenden Ereignissen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch EP’s entstanden, die möglicherweise völlig verdrängt sind.
Und im Extremfall wissen die ANP’s nichts oder nur wenig voneinander, und wir sind damit schon mitten in einer echten dissoziativen Identitätsstörung gelandet.

Wie weiß ich denn, ob es ein ANP ist? Nun ja, das ist schwer in ein paar Sätzen zu sagen. Ein möglicher schneller Check ist:

  • Habe ich Kopfweh? Habe ich immer wieder das Gefühl verrückt zu werden? Höre ich von anderen, dass ich von einem Moment zum anderen Dinge vergesse? Komme ich mir immer wieder wie in eine Situation „gebeamt“ vor, ohne einen Bezug dazu zu haben?
  • Wenn ich schon ahne, dass es sich um eine Teil handelt: Kenne ich das zugrunde liegende Ereignis und ist es „identitätsgebend“ für mich? Wenn ja, ist diese Identität kontextabhängig?

Wer hier für sich mehrmals mit „Ja“ geantwortet hat, hat möglicherweise mit einem ANP zu tun.

Absichten von Teilen

Jeder Tei hat eine positive Absicht: Er hat sich erschaffen, um etwas für das Individuum zu erreichen.

Auch wenn es Methoden gibt, die insbesondere Emotionale Teile sehr gut wieder integrieren können, ist es meiner Ansicht nach wesentlich, den Teil zu verstehen. Seine Absicht zu verstehen, zu erkennen, was es aus seiner Existenz zu lernen gibt. Und zu begreifen, was im Ereignis, das zur Erschaffung des teils geführt hat, noch alles abgespalten wurde, und was es daraus zu lernen gibt.

Damit bin ich kein Freund davon, Teile zu integrieren, sobald sie identifiziert sind. Ja, ich werde mit einer direkten Integration etwas verändern. Vielleicht löse ich das Problem sogar ganz damit.

Vielleicht verändere ich damit aber nur die Ist-Siuation soweit, dass ich den aktuellen Zugang verliere, um dann später wieder in die Situation zu laufen, mit dem Teil emotional konfrontiert zu werden. Und der Teil ist soweit anders aufgestellt, dass ich mich ihm erst neu annähern muss.

Warum ich darauf großen Wert lege, die Teile erst zu verstehen? Diese Teile haben als zugrunde liegende Motivation einen großen Brocken „Weg-Von“: Ich will weg vom überfordernden Aspekt des Problems.

Wenn ich also als überfordernden Aspekt des Problems Überlebensangst hatte, weil ich mir alleine und verlassen vorgekommen bin, dann habe ich eine starke Weg-Von Motivation vorm alleine sein. Konkretes Beispiel aus meinem eigenen Leben: Als ich vierzehn Monate alt war, ist meine Schwester zur Welt gekommen. In meiner frühkindlichen Welt ist mir plötzlich die „Verbindung“ entzogen worden, ich war alleine wenn der kleine Säugling etwas gebraucht hat. Was für mich Überlebensangst zur Folge hatte.

Damit liegt der Fokus des EP darauf nicht alleine zu sein, um die „Verbindung“ mit den wichtigen Menschen aufrechtzuerhalten. Und wie wir wissen muss das Gehirn, um sich „nicht alleine“ vorstellen zu können erst mal „alleine“ erzeugen.

Und genau das ist der Grund, warum ich lieber erst dem Teil die Weg-Von Motivation nehme, bevor ich beginne an seiner Integration zu arbeiten: Erst darf der Teil seinen Frieden finden, danach erst wird gelöst, was noch nicht verarbeitet werden konnte.

Interventionen

Diese Interventionen sind nur Vorschläge, sie können für manche großartige Ergebnisse erzielen, bei anderen völlig im Nichts verpuffen. Wie immer: anpassen an die Situation des Klienten!

Vorher empfehle ich die Weg-Von Motivation des Teiles zu hinterfragen und umzukehren indem der Teil ein Hin-Zu Ziel erhält.

Einfache Emotionale Teile EP
Aus dem NLP gibt es die „Teile-Integration“, die hier sehr gute Dienste leistet. Alternativen: das NLP Verhandlungsmodell oder auch der Six-Step-Reframe.
Komplexe / massive Emotionale Teile EP
Aus der Time Line Therapy (r) gibt es die Break Through Session, die hier gute Dienste leistet. Mögliche Alternativen wäre die Prozesse Change Personal History oder die Core Transformation.
Anscheinend normale Teile ANP
Die ANP’s sind die meiste Arbeit. Ich empfehle zuerst alle EP’s zu integrieren, die im Zuge des eriegnisses und den nachfolgenden Sequenzen entstanden sind. Danach kann es angezeigt sein, Werte und Metapgrogramme des ANP mit den anderen ANP in Übereinstimmung zu bringen, damit die ANP miteinander in Rapport gehen können.
In der Folge geht es darum, die Identität des Klienten zu stärken, Ziele zu etablieren, eine solide Hin-Zu-Motivation in den wichtigsten Bereichen des Teiles herzustellen.
Und dann erst würde ich eine Integration anstreben, vielleicht mittels des Reimprint-Prozesses, oder der guten alten Teileintegration.

Und für alle die ihre Teile wirklich verstehen wollen noch ein Gedankenanstoß: Insbesondere Teile die frühkindlich entstehen, also im Alter bis fünf oder sechs Jahren, haben keine moralischen oder ethischen Grundwerte, so wie wir sie von Erwachsenen erwarten. Aber auch erwachsenere Teile haben diese Moral und Ethik oft begraben, und wollen nur ihr Ziel umgesetzt sehen.

Es kann sich also bei schwerwiegenden Teilen lohnen, sich mit seinem Schatten betreffend (Archetypus Schatten nach C. G. Jung) der Ziele des Teiles auseinander zu setzen.

Wenn ich, wie im obigen Beispiel aus meiner Vergangenheit, nicht alleine sein will: Welche Methoden sind einem vierzehn Monate alten Kind recht, um seine Ziele zu erreichen? Wie sehr bin ich bereit zu kontrollieren und zu manipulieren, um mein Ziel zu erreichen? Nein, das würde ich doch nie machen…

Nur: Dieser Teil ist auch „ich“. Teil des „ich“. Würde ich mir selber etwas vormachen? Wie weit ist es mir egal die Kerngrenzen anderer zu verletzen, nur um mich selbst vielversprechend zu positionieren?

Nur mal was zum Nachdenken: Wie viel Schatten ist in deinen Teilen verwirklicht?