Die sieben Todsünden

Die sieben Todsünden der Bibel

Das katholische Christentum definiert die sieben Todsünden wie folgt:

  • Superbia – Hochmut (Eitelkeit, Übermut)
  • Avaritia – Geiz (Habgier)
  • Luxuria – Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren)
  • Ira – Zorn (Wut, Rachsucht)
  • Gula – Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)
  • Invidia – Neid (Eifersucht, Missgunst)
  • Acedia – Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Trägheit des Herzens)

Um eine Sünde als so schwer zu beurteilen, dass sie als Todsünde gilt, muss sie drei Voraussetzungen erfüllen:

  1. Sie muss eine schwerwiegende Materie, insbesondere einen Verstoß gegen die zehn Gebote zum Gegenstand haben.
  2. Der Sünder muss die Todsünde mit vollem Bewusstsein begehen, die Schwere der Sünde also bereits vorher erkennen.
  3. Die Sünde muss aus freiem Willen begangen werden.

Weiters definiert der Vatikan:

Die Lehre der Kirche nennt denjenigen Akt eine Todsünde, durch den ein Mensch bewusst und frei Gott und sein Gesetz sowie den Bund der Liebe, den dieser ihm anbietet, zurückweist, indem er es vorzieht, sich sich selbst zuzuwenden oder irgendeiner geschaffenen und endlichen Wirklichkeit, irgendeiner Sache, die im Widerspruch zum göttlichen Willen steht.

Der Bezug zum Unbewussten

Wie nur all zu oft sind diese alten und überlieferten Dinge nicht ganz aus der Luft gegriffen, es stecken Erfahrungswerte dahinter. Wenngleich die sozialen Umgebungen in denen diese Erkenntnisse gewonnen wurden tausende Jahre vergangen sein mögen, so hat uns die Evolution doch noch nicht weit davon entfernt.

Andersherum gesagt: Diese sieben Todsünden haben auch für uns noch Bedeutung. Nicht als „Todsünde“, sondern als Lernerfahrungen, die wir über uns selbst gewinnen können: In unserem Kulturkreis sind diese Todsünden als Jahrhunderte altes striktes No-Go so tief aus aller (bewussten) Betrachtung verschwunden, dass uns allen nicht (oder nur minimal) bewusst ist, wie sehr unser moderner Lebensstil und damit alle Werbung, Propaganda und andere Manipulation darauf aufbaut.

Und was uns nicht bewusst ist, werden wir nicht reflektieren können. Und was wir nicht reflektieren, können wir nicht bewusst annehmen oder ablehnen, sondern sind unserem unbewussten inneren fünfjährigen Kind ausgeliefert, und dem, was es daraus macht.

Nur um es noch einmal klarzustellen: Ich bin ein Fan meines inneren fünfjährigen Kndes, und auch in puncto Todsünden möchte ich genau wissen, was mein unbewusstes inneres Kind möchte. Nur nehme ich für mich in Anspruch mir das zwischen bewusstem und unbewusstem Verstand ausmachen zu wollen, wann ich eine Todsünde in Kauf nehme, und wann nicht.

Ein paar Beispiele

Hier ein paar Beispiele dazu, wie Todsünden eine Rolle spielen können und uns meist nicht bewusst sind.
Anmerkung: Alle Beispiele können und werden die verschiedensten Ursachen haben. Ich zeige hier Beispiele, um zu zeigen wi Todsünden eine Rolle spielen. Gegenbeispiele warum sie in vielen Situationen keine Rolle spielen gibt es selbstverständlich auch mehr als genug.

Perfektionismus
Perfektionismus kann viele Ursachen haben. Viele setzen ihren ausgelebten Perfektionismus als eine wunderbar effektive Vermeidungstrategie ein: „Das noch schnell fertig machen, und dann kann ich …“
Tja, nur wird es eben nie fertig, weil der Perfektionismus nie den Zustand „fertig“ erlaubt.

Aber hinter dem Perfektionismus kann auch eine der Todsünden stecken. Z.B. Superbia. Der Hochmut bzw. die Eitelkeit kann Perfektionismus einsetzen um Aufmerksamkeitsenergie anderer an sich zu ziehen. Ob das jetzt Bedauern ist, über all die Arbeit die das „Opfer“ da investiert, oder ob das direkte Bewunderung ist, für all die investierte Arbeit, ist der Situation und den beteiligten Personen geschuldet.
Tatsächlich steckt oft Hochmut dahinter: Ich bin gut, ich bin besser. Ich will von dir die Anerkennung und die Energie dafür haben.
Und Perfektionismus kann viele Gesichter haben: Die einen putzen ihre Wohnung täglich, um es immer ultrasauber zu haben. Die anderen haben eigene Schönheitsideale was Kleidung und Körperlichkeit angeht, um sich über andere erhaben zu fühlen. Wie schrecklich die doch alle aussehen.
In allen Fällen ist es Superbia: ich erhebe mich über die anderen, auch wenn ich dafür meine ganz eigenen Glaubenssatzkonstrukte aufbauen und verteidigen muss.

Ehrgeiz
Ein bisschen Ehrgeiz ist gesund, heißt es. Übertriebener Ehrgeiz ist dann allerdings ungesund. Was aber ist die Triebfeder hinter dem Ehrgeiz?<
Eine mögliche triebfeder wäre Invidia, also Neid. Ich kann es nicht leiden, wenn du etwas erreichst, das ich nicht schon habe. Und wenn ich dann das „du“ hier pauschal generalisiere bin ich dem ganzen Universum neidig auf praktisch alles. Manifestiert im z.B. Lebensbereich „Karriere“ oder „Fitness“ kann das schon zu recht ungesundem Ehrgeiz führen, der oft massive Auswirkunge auf die anderen Lebensbereich hat, oder eine funktionierende Existenz der anderen Lebensbereich unmöglich macht.
Etwas konkreter? Zum Beispiel die sportversessenen Tussi, die vor lauter Schönsein keine Familie, Karriere oder persönliche Entwicklung in ihrem Leben unterbringt. Oder der karrieresüchtige Bürohengst, der sich aus direktem Weg in den Herzinfarkt arbeitet. Ein Herzinfarkt, der dann niemandem auffällt, weil es keine Familie oder sozialen Beziehungen gibt, die im Leben díeses Wunderwuzzis Platz gehabt hätten.
Kontrollfreak

Kontrolle als Todsünde? Ja, manchmal kann ein -Kontrollfreak einfach unter schwer mangelndem Selbstvertrauen leiden, und das kompensieren, indem er versucht seine gesamte Umwelt zu kontrollieren.
Dahinter kann sich allerdings auch Gula bzw. Selbstsucht verbergen, und das kombiniert mit dem mangelnden Selbstvertrauen. Weil jemand in seiner Kindheit das Selbstvertrauen verloren hat, und sich in Folge nie getraut hat, seine oder ihre Meinung kundzutun, kann er oder sie das in versteckte Selbstsucht umgewandelt haben. Um eben doch zu erreichen, was das selbstsüchtige innere Kind haben möchte, hat die Person begonnen zu manipulieren und andere weitestgehend zu kontrollieren. Die Triebfeder und Motivation hier ist Gula, die Selbstsucht, geschaffen aus Umständen, die eine Störung des Selbstvertrauens ausgelöst haben.

Die Auswirkungen der unbewussten Todsünden

Zunächst die gute Nachricht: Zumindest bis eben, bevor du diesen Artikel gelesen hast, war dir das Begehen einer Todsünde nicht bewusst, und wird damit im kirchlichen Sinne nicht als schwere Sünde gewertet. Bis jetzt also darfst du in den Himmel.

Ab jetzt allerdings, und das ist die schlechte Nachricht, ist es dir bewusst. Und damit zählen die Todsünden für deinen Pool an Karma.

Selbst wenn du jetzt sagst „So ein Schwachsinn!“, begehst du eine bewusste Todsünde: Du erhebst dich über das Wissen warum, dass du gegen solch fundamentalen Grundsätze verstößt.

All diese Überlegungen sind allerdings nicht Thema des Beitrages. Hier geht es darum, unsere Anfälligkeit für Todsünden bewusst zu kriegen, damit wir uns besser gegen Werbung, Propaganda und andere Manipulation schützen können.

Schnelle mentale Übung: Denke an fünf dir bekannte Werbespots, und überlege dir, wie viele der Stereotypen, die aus den Todsünden resultieren, diese Spots bedienen. Und dann denk darüber nach, wie viel dir davon bewusst gewesen ist. Gegen diese bewussten Anteile konntest du dich schützen, wenn du es gewollt hast. Gegen die unbewussten Anteile konnte dich nur dein Unbewusstes schützen, wenn es denn gewollt hat.

Jedoch sind die Todsünden zufällig allesamt Kategorien für die fünfjährige Kinder anfällig sind. Egal ob die tatsächlich fünfjährige Kinder sind, oder einfach nur das Unbewusste im inneren eines Erwachsenen.

Also, werde dir bewusst darüber, für welche der Todsünden dich dein Persönlichkeitsprofil anfällig macht, und reflektiere und erkenne, für welche Art der Manipulation dich das anfällig macht.