Harmonie und Schokolade

Harmonie und Schokolade

Harmonie und Schokolade: „Harmonie ist mir wichtig.“, „Ich habe es gerne harmonisch.“, „Ich brauche nun mal, dass wir in Harmonie übereinstimmen.“

Harmonie ist wichtig, Harmonie ist gut. Harmonie ist in gewisser Art süß wie Schokolade.

Das ist Schokolade

Schokolade schmilzt so süß im Mund. Damit triggert sie das Belohnungszentrum im Gehirn und es werden Glückshormone ausgeschüttet. Körper und Geist entspannen sich wohlig in dieses Glücksgefühl hinein.

Dunkle Schokolade ab mindestens 70% Kakaoanteil enthält Flavonoide, Catechine und andere sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die sich durchaus positiv auf Herz, Gehirn, Verdauungstrakt und damit das Immunsystem auswirken. Erst recht im entspannten Zustand nach dem Genuss von Schokolade.

Helle Schokolade bzw. Schokolade mit weniger Kakaoanteil als 70 % – also die mit Abstand meiste konsumierte Schokolade – hat zwar keine nennenswerten Anteile an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, aber Zucker und Fett in der Masse triggern dennoch das Belohnungssystem, lösen Glückshormone aus und führen in einen Entspannungszustand.

Das ist Schokolade auch

Im Moment, im Hier und im Jetzt, wenn die Schokolade im Mund schmilzt, ist der Körper von Glückshormonen durchflutet.

Doch kaum ist die Schokoladenmasse im Verdauungstrakt, bringt sie den Insulinhaushalt durcheinander. Der Dünndarm kann den Zucker der Schokolade sehr schnell durch Enzyme verdauen und ins Blut weiterleiten. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel im Gehirn sehr schnell an. Die Bauchspeicheldrüse produziert als Reaktion jede Menge Insulin.

Das Insulin sorgt dafür, dass die Körperzellen den Blutzucker aufnehmen, der Blutzuckerspiegel schnell fällt und der Körper mit einem Hungerschub (Stichwort: Heißhungerattacke) reagiert.

Zeitgleich fällt im Mund der pH-Wert und durch die Überbleibsel der Schokolade beginnen Bakterien zu wuchern. Diese greifen die Zähne und die Mundschleimhäute an. Durch Kieferbewegungen werden durch die Zahnwurzeln auch einige dieser Bakterien in den Blutkreislauf gepumpt. Das Immunsystem ist gefordert, und muss darauf reagieren.

Kurzfristig, also nur ganz kurz über das Hier und das Jetzt hinausgedacht, schadet Schokolade dem Körper mehr als der kurze Stoß an Glückshormonen oder die Zufuhr an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen bei dunkler Schokolade ihm nutzen.

Mittelfristig wird regelmäßiger Schokoladenkonsum zu einer erst milden, jedoch stärker werdenden Inulinresistenz führen. Vor allem die Muskulatur, Leber und Fettzellen reagieren weniger auf Insulin. Die Bauspeicheldrüse überanstrengt sich dauerhaft und wird in Mitleidenschaft gezogen. Das Körpergewicht steigt, Fettzellen werden aufgebaut. Diabetes Typ 2 entsteht. Der Blutdruck steigt.

Langfristig führt das zu Ausfällen oder schweren Erkrankungen von Herz, Leber, Bauspeicheldrüse und verschiedenen anderen Stoffwechselorganen. Krebs oder Herzkreislauferkrankungen können folgen.

Harmonie ist wie Schokolade

Wenn Harmonie von selbst herrscht ist alles gut. Davon reden wir hier nicht. Das ist wie Schokolade mit 99,8% Kakaoanteil. Viel zu selten, aber jeder kennt sie.

Hier beim Schokoladenvergleich geht es um die Harmonie, die von einem der Beteiligten getragen wird. Einer, der (oder die) auf eigene Ansprüche welcher Art auch immer verzichtet, um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

Also jede ganz normale Alltagssituation, wie sie jeder kennt: Ich sage nichts, weil es ist nur eine Kleinigkeit, und ich habe früher auch nie etwas dabei gesagt. Passt schon so.

Das ist süß schmelzend im Mund und gibt kurz Glückshormone.

Tatsächlich habe ich nicht einen Konflikt vermieden, sondern ich habe die Klärung einer Schieflage oder vielleicht nur eines Missverständnisses verabsäumt.

Das ist eine Verletzung des Respekts vor den anderen Beteiligten, das ist die Verletzung des Respekts, den ich mir selbst schuldig bin.

Ist dies wiederholt der Fall, dann baut sich diese Verletzung auf. Ein wenig mag heilen in der Zeit, die vergeht. Aber das bleibende Narbengewebe ist nicht so flexibel, die nächste Verletzung kann tiefer gehen.

Und auch wenn es die anderen Beteiligten gar nicht oder sehr lange nicht mitkriegen so ist es auch eine sich aufbauende Verletzung für sie. Die Insulinresistenz der Schokolade wird zur Ignoranz der Bedürfnisse der anderen.

Langfristig entstehen unbewusste schwere Konflikte zwischen den Beteiligten, die sich manchmal auf ganz anderen Ebenen entladen.

Und der Meta-Medizin zufolge entstehen aus Konflikten und aufgestautem Ärger die Erkrankungen Krebs oder Herzkreislauferkrankungen.

Harmonie, konkret herbeigeführte Harmonie, ist also im Endeffekt wie Schokolade: Im Moment süß, aber langfristig läufst du Gefahr, dass sie dich umbringt.

Was tun bei Harmoniesucht?

Zunächst einmal mache dir klar, was du dir und den anderen antust, wenn du dir vormachst, dass dir Harmonie so wichtig ist, dass du dich selbst hinten anstellst.

Dir ist sicher nicht wichtig, dass du untergehst. Dir ist wichtig einen Konflikt zu vermeiden. Aber es ist doch nur deswegen ein Konflikt geworden, weil du schon so oft in deinem Leben verabsäumt hast klar zu sagen, was dir wichtig ist. Dein Gegenüber kann in dem Moment vielleicht gar nichts dafür. Umso respektloser ist es, dies nicht direkt anzusprechen.

Dir wäre es also, wenn du ehrlich bist, wichtiger gehört und gesehen und gefühlt zu werden. Herbeigeführte Harmonie ist das falsche Werkzeug dafür. Es verschiebt dein Problem nur und lässt zugleich das Problem kontinuierlich größer werden.

Mache dir also klar was dir wichtig ist. Was dir für dich selbst wichtig ist, abseits von allem, was andere von dir erwarten mögen. Du, für dich.

Mache Grenzen daraus. Alles, was dir wichtig ist, ist auch eine Grenze für dich: So weit, aber nicht weiter.

Dann suche das Gespräch, und kommuniziere klar was dir wichtig ist, wo deine Grenzen sind, und was du erwartest. Deine Erwartungen darfst du natürlich höflich und respektvoll formulieren, falls dir dies wichtig ist.

Und wenn das nächste Mal eine Grenze überschritten wird, sage einfach „Stopp!“. Du wirst sehen, dass sich die Konflikte sehr in Grenzen halten, währenddessen der Lerneffekt der anderen beachtlich sein wird.

Lebe lang und glücklich!