Das Dreieck der Intimität

Das Dreieck der Intimität. Eine einfache Art um zu reflektieren, wo denn deine Beziehung tatsächlich steht, und ob du Bedarf an persönlicher Entwicklung und spirituellem Wachstum haben könntest.

Vertrauen ist die Verbindung von Integrität und Verstehen.


Stimmt denn dieser schlaue Spruch von einem Markerl eines Yogi Tees? Was ist Vertrauen, was ist Integrität, und was ist Verstehen? Was ist mit Verbindung gemeint? Und was hat das mit Intimität zu tun, oder mit einem Dreieck der Intimität?

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Aufsteigendes und absteigendes Dreieck der Intimität

Das Dreieck der Intimität gibt es in der idealen Form, dem aufsteigenden Dreieck. Wenn das Leben derart gelebt wird, dann intensiviert sich die Intimität im Verlauf der Zeit. Und es gibt das absteigende Dreieck der Intimität. Wenn das Leben in dieser Art gelebt wird, dann flacht die Intimität und die Verbindung zwischen zwei Menschen ab.

Dreieck der Intimität: Liebe + Freiheit + Commitment vs. Ansehen + Treue + Sicherheit. Selbstreflexion als Werkzeug.

Motivation für (Begriffs-)Definition

Bevor wir uns mit dem Dreieck im Detail beschäftigen erst noch eine Frage: Warum sollte ich den Begriff „Vertrauen“ denn definieren, wie die Frage „Was ist Vertrauen?“, die ich eingangs gestellt habe, impliziert?

Ganz einfach: Damit ICH weiß, wovon ICH rede (oder denke). Damit ich reflektieren kann, was das für mich bedeutet. Damit ich für mich selbst ganz klar ausdrücken, was mir daran wichtig ist.

Also lasst uns mal den Begriff „Tradition“ definieren. Einmal schnell in Facebook nachgesehen und schon ist die Definition gefunden: Tradition ist die Diktatur toter Menschen.

Na bumm. Kann diese Definition ernsthaft richtig sein? Lasst uns also mal diese Definition ein wenig reflektieren. „Tote Menschen“ kann man als Sinnbild für „Früher“ sehen. Gut. Diese alten Traditionen folgen strikten Regeln und Vorgaben. Da die Menschen von früher nicht mehr da sind um diese Regeln zu diskutieren und anzupassen. Also passt auch der Begriff „Diktatur“, es ist ja nicht verhandelbar. Also auch gut.

Warum also werden sich viele gegen diese Definition wehren? Weil ein impliziter Vorwurf in der provokanten Definition mitschwingt: Die früheren Generationen haben die nachfolgenden Generationen zum Einhalten von Regeln erzogen. Sie haben sie nicht dazu erzogen die Dinge zu hinterfragen, sie zu reflektieren.

Damit haben die früheren Generationen ihren Kindern die Freiheit genommen, ihre eigenen Möglichkeiten zu finden, die eigene Herkunft zu reflektieren. Sie haben ihnen kurz gesagt die Möglichkeit genommen die Dinge besser zu machen. Indem sie ihren Kindern beibringt „Altes“ hochzuhalten, in Ehren zu halten. Und dafür die Möglichkeiten der Zukunft zu begraben.

Gibt es eine schlimmere Form von Kindesmisshandlung?

Dabei ist ja nicht das einzelne Ritual des Brauchtums schlecht. Aber in Summe ist es die Volksmentalität, die das Brauchtum hochhält. Die sich derart Veränderung und Fortschritt entgegenstellt. Die damit auch Fremdenfeindlichkeit fördert, Rechtspopulismus hochleben lässt. Weil Reflexionsfähigkeit leider der Volksmentalität wegen auch eine Sache von Bildung ist.

Tradition ist die Diktatur toter Menschen. Ja, ist wohl so. Eine ganz wichtige Sichtweise auf das Leben.

Das aufsteigende Dreieck der Intimität

Dann widmen wir uns also jetzt dem aufsteigenden Dreieck der Intimität, und schauen uns die Begriffe und Philosophien hinter den drei Eckpunkten an.

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Liebe (= bedingungslos)

Google definiert Liebe als „starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem Menschen“. Bedingungslose Liebe ist dann also Liebe, die nicht an Bedingungen und Vorgaben geknüpft ist.

Und an genau diesem „nicht an Bedingungen und Vorgaben geknüpft“ scheitern die Menschen. Sind wir doch in unserer Volksmentalität so erzogen worden, dass wir traditionell etwas tun müssen / haben müssen / sein müssen, um lieb gehabt zu werden.

Ganz egal, ob ein Mensch, ein Tier, ein Ding, ein Platz, eine Tätigkeit, Essen, Trinken oder sonst was geliebt wird: Wir knüpfen immer Bedingungen und Vorgaben an diese Liebe. Alles kann geliebt weden. Oder, im Business-Kontext, sagen wir halt Respekt oder Wertschätzung statt Liebe.

Je näher uns etwas steht, um so mehr und um so striktere Bedingungen und Vorgaben knüpfen wir an dieses starke Gefühl des Hingezogenseins; an diese im Gefühl begründete Zuneigung.

Bei wie vielen Menschen lässt sich ein „Ich liebe Dich!“ übersetzen als: „Ich liebe dich, also sperre ich dich jetzt ein, damit du keine anderen mehr siehst, und ich erwarte, dass du genau so bist, wie ich es mir vorstelle!“?

Bedingungslose Liebe? Überhaupt Liebe? Oder eher eine psychotische Episode des Verliebtseins? Als Entschuldigung kann man höchstens sagen: Ich habs nie anders gelernt. Als Anschuldigung gegen die Entschuldigung kann man leicht sagen: Du bist erwachsen, und eigenverantwortlich.

Aber woher sollen wir es auch haben? Selbst Gott, der uns ja nach seinem Ebenbild geschaffen hat, liebt uns ja unter Bedingungen. Nur wer brav betet, einen züchtigen Lebensstil führt, und fleißig Kirchenbeiträge bezahlt, der kommt in den Himmel. Gott ist allmächtig und er ist die Liebe selbst. Aber, wenn du seinen Ansprüchen nicht Genüge tust, dann landest du in der Hölle. Gott ist zwar allmächtig, aber die Hölle ist außerhalb seiner Gnade und Liebe.

Du musst Gott lieben und du musst es absolut freiwillig tun. Denn Gott ist die bedingungslose Liebe selbst. – Ganz schön pervers, was menschlich-kirchliche Doktrinen aus einem sicher mal gut gemeintem Glauben gemach habe, oder nicht?

Die gute Nachricht: Wir alle haben die bedingungslose Liebe zwar nicht erlernt, und sie als Ebenbild Gottes auch nicht mitgekriegt. Aber wir fast alle kennen sie dennoch. Denke einfach mal daran, wenn du ein nahe verwandtes, ganz frisch geschlüpftes Baby das erste Mal siehst. Dieser „Ooohhhhh“-Moment. Oder, wenn ein ganz junges Haustier das erste Mal herum tapst. Auch der „Ooohhhhh“-Moment, wenn der Brustbereich über dem Herz ganz weich und warm wird, und du emotional gerade dahinschmilzt.
Das ist spontane bedingungslose Liebe. Da hatte der Mind-Fuck Verstand noch keine Gelegenheit eigene Erwartungen darüber zu stülpen, und die Liebe ist noch ohne Bedingungen und Vorgaben.

Freiheit (= Vertrauen)

Freiheit, laut Google ist der Zustand, in dem jemand frei von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen, unabhängig ist und sich in seinen Entscheidungen o. Ä. nicht eingeschränkt fühlt. Vertrauen bedeutet sich sicher zu sein, dass man sich auf jemanden, etwas verlassen kann.

Das passt sehr eng zur Liebe frei von Bedingungen und Vorgaben, und meint, dass jeder dem anderen völlige Eigenverantwortung und Selbstbestimmung lässt, und gleichermaßen die eigene Eigenverantwortung und eigene Selbstbestimmung wahrnimmt und ggf. einfordert.

Freiheit ist also die Freiheit sein eigenes wahres Ich zu leben, der eigenen Bestimmung zu folgen. Und die Freiheit endet theoretisch erst dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Im Kontext mit Liebe und Commitment, wie im Dreieck der Intimität, jedoch wird nie eine Freiheit die andere eingrenzen.

Commitment (= Integrität)

Google sagt, dass Commitment bedeutet, sich zu bekennen, bzw. sich zu verpflichten. Also irgendwie das Gegenteil von Freiheit.
Integrität bedeutet Makellosigkeit, Unbescholtenheit, Unbestechlichkeit.

Sich in einer Beziehung zu einem anderen Menschen zu Makellosigkeit zu bekennen heißt, sich zur Verbindung der gemeinsamen Entwicklung zu bekennen. Sich dazu zu bekennen, sich gegenseitig zu unterstützen. Was immer ich tue, ich bekenne mich zur Verbindung zu dir, und dazu gemeinsam zu wachsen. Und damit tue ich was ich tue im Bewusstsein weder „mir“ noch „uns“ zu schaden.

ICH verpflichte MICH dazu im gegenseitigen Interesse zu handeln (oder nicht zu handeln), weil es in MEINEM ureigensten Interesse ist, das zu tun. Nicht: DU verpflichtest MICH, weil es in DEINEM Interesse ist.

Das absteigende Dreieck der Intimität

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Ansehen (= Lüge)

Ansehen … etwas [aufmerksam, prüfend] betrachten (um es kennenzulernen)
Lüge … falsche Aussage, die bewusst gemacht wird und jemanden täuschen soll

Was könnten denn die Nachbarn oder die Verwandtschaft oder sonst irgendwer denken? Nein, nein, es muss schon nach außen alles seine Ordnung haben.

Keiner soll über etwas reden, am besten man selbst auch nicht. Also nichts sagen, so tun als wäre alles in bester Ordnung, und es könnte gar keine bessere zwischenmenschliche Beziehung geben.

Aber tatsächlich ist das alles eine Lüge. Eine Lüge vor allen anderen, und eine Lüge vor sich selbst.

Wenn es darum geht was die anderen denken, und darum wie sie wohl reagieren würden, wenn sie wüssten, verletzt man alle durch diese Lüge. Man verletzt sie um so mehr, je näher sie einem Stehen. Am meisten verletzt man sich selbst.

Jede Sekunde darf man nur ein einziges Mal leben. Ist es diese Lüge des Ansehens wegen wert, diese Sekunde so zu verbringen? Und noch eine Sekunde, und noch eine, und noch eine, und noch ein Jahrzehnt?

Treue (= Kontrolle)

Treue … die Verlässlichkeit eines Akteurs gegenüber einem anderen, einem Kollektiv oder einer Sache
Kontrolle … dauernde Überwachung, Aufsicht, der jemand, etwas untersteht

Wenn Treue durch eine Enthaltsamkeit anderen gegenüber ausgedrückt wird – sei es in partnerschaftlichen Beziehungen durch sexuelle Exklusivität oder z.B. in geschäftlichen Beziehungen dadurch, dass man keine „Fremd-Umsätze“ generieren darf – dann hat das nichts mit der Verlässlichkeit gegenüber dem Partner zu tun.

Das ist Kontrolle. Jemand versucht seine eigenen Defizite und Unsicherheiten zu kaschieren, indem er den anderen streng kontrolliert, und durch Regeln, Bedingungen und Vorgaben bindet.

Die einzige Grundaussage, die durch ein solches Konstrukt getätigt wird, ist: „Ich vertraue dir nicht, weil ich mir selbst nichts zutraue. Darum kontrolliere ich dich.“

Sicherheit (= Illusion)

Sicherheit … Zustand des Sicherseins, Geschütztseins vor Gefahr oder Schaden; höchstmögliches Freisein von Gefährdungen
Illusion … beschönigende, dem Wunschdenken entsprechende Selbsttäuschung über einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt

Das Leben besteht aus einer quasi unendlichen Zahl von Variablen, die weder alle erkennt, noch berücksichtigt, noch kontrolliert werden können. Zu glauben man ist sicher irgend einer Sache sicher, ist nichts als eine dem Wunschdenken entsprechende Selbsttäuschung.

Wer glaubt, er kann sich bis zum Gehtnichtmehr verbiegen, sich selbst belügen und sich selbst verleugnen, alles nur um sich einer Sache sicher zu sein, der schaut einfach nicht auf einen in Wirklichkeit sehr viel weniger positiven Sachverhalt.

Conclusio des Dreiecks der Intimität

„Intimität“ (lat. intimus; wörtlich dem Rand am fernsten, am weitesten innen) bezeichnet einen Zustand tiefster Vertrautheit.

Das Dreieck der Intimität gibt es in der idealen Form, dem aufsteigenden Dreieck. Wenn das Leben derart gelebt wird, dann intensiviert sich die Intimität im Verlauf der Zeit. Und es gibt das absteigende Dreieck der Intimität. Wenn das Leben in dieser Art gelebt wird, dann flacht die Intimität und die Verbindung zwischen zwei Menschen ab.

Warum das eine Dreieck „aufsteigend“ heißt, und warum diese Attribute für sich intensivierende Intimität sorgen, während das „absteigende“ Dreieck mit seinen Attributen für schnell abflauende Intimität sorgt, sollte nach der kurzen Erörterung der Begriffe klar sein.

Wenn du nun mal kurz innehältst und reflektierst, welche dieser jeweiligen Attribute du in welchen Arten von Beziehungen lebst, wirst du recht schnell wissen, ob du Handlungsbedarf hast. Vorausgesetzt natürlich du möchtest diese Beziehungen mittel- oder langfristig erhalten.

Selbstreflexion

Reflektieren. Sich selbst reflektieren. Das eigene Leben und die eigenen Verhaltensweisen reflektieren. Gar nicht so einfach, sollte man z.B. im Kreislauf der Selbstlüge des absteigenden Dreiecks stecken.

Aber an ehrlicher und aufrichtiger Selbstreflexion führt kein Weg vorbei, wenn sich jemand vom absteigenden in ein aufsteigendes Dreieck bewegen will.

Und ein Warnhinweis: Dies ist unter Umständen eine Reise ohne Wiederkehr. Erst mal im aufsteigenden Dreieck wird das absteigende Dreieck zur „No-Go Zone“.

Und die Wahrscheinlichkeit, dass du sie ohne deinen Partner beenden wirst, ist sehr hoch. Es ist sehr selten, dass zwei die im absteigenden Dreieck stecken sich so sehr verbunden gemeinsam entwickeln.

Nur damit das mal gesagt ist…

Bücher, Videos, Kurse und Coachings zu Selbstreflexion gibt es in rauen Mengen. Pass nur auf, dass, egal wie cool oder erfolgreich der Guru ist, die Methode der Selbstreflexion zu dir und zu deinem aktuellen Lebensstil passen darf. Sonst funktioniert es nicht, egal wie erhaben du dich durch den Guru fühlst.

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Der Spruch vom Yogi-Tee

Vertrauen ist die Verbindung von Integrität und Verstehen.

Damit hat der Artikel begonnen: Vertrauen = Integrität + Verstehen.

Die Begriffe Vertrauen und Integrität haben wir schon definiert. Was ist Verstehen?

Verstehen … den Sinn von etwas erfassen. Das inhaltliche Begreifen eines Sachverhalts, das nicht nur in der bloßen Kenntnisnahme besteht, sondern auch und vor allem in der intellektuellen Erfassung des Zusammenhangs, in dem der Sachverhalt steht.

Sicher zu sein, dass man sich auf jemanden verlassen kann bedeutet also die Makellosigkeit des Erfassens des Sinns.

Wer also vollständig (und damit makellos) den Sinn – den eigenen Sinn, den des Partners und den der gemeinsamen Beziehung – erfasst, der wird sicher sein, dass er sich auf den anderen verlassen kann.

Absolut richtig. Nur wird jemand der im absteigenden Dreieck feststeckt wohl nur sehr schwer an der Selbstlüge vorbeischauen können, und den wahren Sinn erfassen.

Also auf zur Selbstreflexion. Schonungslos offen und ehrlich. Sorry, von nichts kommt nichts. Wachstum innerhalb deiner Komfortzone? Instant Enlightenment auf Youtube? Nein. Tu was!

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