Impfpflicht – Wahnsinn oder Wahnsinn?

Impfpflicht. Ein heiß umstrittenes Thema. Nicht ganz so heiß umkämpft, wie das Thema „Impfen“. Aber doch sehr eng damit verbunden.

Da ich ja nicht nur gerne in die Abgründe der menschlichen Psychologie eintauche, sondern auch in die Abgründe der menschlichen Philosophie, kann ich mir nicht verkneifen, zum Thema Impfpflicht einen Kommentar abzugeben.

Impfen

Derzeit – August 2021 – gibt es in der EU zwei verschiedene Technologien, die Zulassungen als Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-COV-2 haben: mRNA und Vektorviren. mRNA ist Pfizer-Biontech und Moderna, während Vektorviren von Johnson&Johnson sowie Astra-Zeneca eingesetzt werden.

Vor- und Nachteile, sowohl aus Sicht der Wissenschaft also auch aus Sicht der unzähligen Verschwörungstheorien kann jeder im Internet, auf Facebook und Youtube und anderen Social-Media-Kanälen selbst recherchieren.

Soweit ich die Diskussionen sehr oberflächlich mitverfolge, wird inzwischen meist nicht mehr diskutiert, dass das Virus nur eine Erfindung der Medien ist, sondern, dass es zwar existiert, aber nicht gefährlich ist. Gefährlich jedoch sollen die Impfungen sein, da sie – äähhhh – irgendwas – äähhh – auf alle Fälle beweisen, dass der oder die Geimpfte keinen freien Willen mehr hat.

Nach dem Konzept der bedingten Willensfreiheit ist ein Wille frei, wenn eine Person ihren Willen nach ihren persönlichen Motiven und Neigungen bildet und dann das tun kann, was sie will (Handlungsfreiheit). Welcher der konkurrierenden Wünsche eines Menschen sich als Wille herausbildet, hängt nach dieser Vorstellung von seiner Persönlichkeit und von Umwelteinflüssen ab.
[…]
Nach dem Konzept der unbedingten Willensfreiheit bestehe keine Beschränkung der Freiheit. Gedacht werden könne eine solche Freiheit nur dann, wenn ein Wille durch nichts bedingt sei. Das Problem bei dieser Freiheit ist, dass der Wille, wenn er durch nichts bedingt sei, als zufällig und unmotiviert gelten müsse. Es unterliege dann also dem reinen Zufall, was sich zum Willen herausbilde.

Wikipedia zum Thema „Freier Wille“

Freier Wille

Gut. Nehmen wir einmal an, der freie Wille hat nichts mit Intelligenz und Bildung zu tun. Denn sowohl die absurdesten Verschwörungstheorien als auch die absurdesten offiziellen Regierungstheorien – Ich bin in Österreich, wir haben hier neun echt richtig große und wichtige Bundesländer, und jedes Bundesland macht eigenen Corona-Politik – haben reichlich Anhänger in allen Bildungsschichten.

Nehmen wir also an, dass freier Wille darin besteht, dem Mainstream zu folgen, oder eben 180° entgegengesetzt nicht zu folgen, welche Alternativen hätten der frei denkende Mensch denn dann noch?

Zum einen: wer 180° entgegengesetzt der anderen denkt, ist verhaltenspsychologisch gesehen lediglich ein sogenannter Mismatcher. Er oder sie sagt reflexartig „Nein“, und ist prinzipiell entgegengesetzter Meinung. Und, wenn der Mainstream die Meinung ändert, wird der Mismatcher sich auch ändern, um weiterhin dagegen zu sein.

Hat nun also der mainstreamanhängige Matcher oder der mainstreamaverse Mismatcher einen freien Willen? Sorry, ihr Mismatcher: Ich habe nicht gegendert, damit habe ich euch sicher gerade verärgert. Oh, nun, nach der Entschuldigung dafür ist ohnehin alles Bullshit und überbewertet? Ihr habt recht, obwohl ich das so nicht sagen kann, wenn ich eure Zustimmung wollen würde.

Fazit? Wäre mein Auftrag die breite Masse zu manipulieren, dann würde ich 65% meines Budgets darauf verwenden, den Mainstream zu manipulieren. Ich würde für 20% des Budgets die Mismatcher in eine überschaubare Handvoll unsinniger Verschwörungstheorien pressen. Und für 15% meines Budgets würde ich diejenigen jagen, die dieser eben gezeigten Systematik entfliehen. Denn diejenigen Wenigen sind die einzigen, die keine „Systemschafe“ sind, und die mir gefährlich werden könnten.

Ich sage es ja nur…

Impfpflicht

Angenommen ich bin matchender Mainstream-Anhänger: Dann wäre ich getrieben von der durch die Medien verbreiteten Angst schon geimpft. Wie könnte mein Immunsystem nur mit der Krankheit umgehen? Und – abgesehen von einem tatsächlich kleinem Prozentsatz an „Impfopfern“, die über Placebo-Effekte hinausgehende Nebenwirkungen bedauernswerterweise erleben mussten – gesund und munter.

Angenommen ich bin mismatchender Mainstream-Ablehner: Dann wäre ich getrieben von den durch die alternativen Medien (z.B. Facebook, Youtube, etc.) verbreiteten Gegenangst sicher nicht geimpft. Wie könnte mein Immunsystem nur mit der Impfung umgehen? Und – abgesehen von einem tatsächlich kleinem Prozentsatz an „Infektionsopfern“, die über Placebo-Effekte hinausgehende Nebenwirkungen bedauernswerterweise erleben mussten – gesund und munter.

Oh mein Gott!

Welch tragisches Schicksal?

Nun ja. Mein persönliches tragisches Schicksal ist: Ich bin vollständig mit Moderna geimpft. Warum? Ich bin zu bequem, um mich ständig testen zu lassen und mich anders einzuschränken. Nein, ich habe keine Angst vor dem Virus. Und nein, ich habe keine Angst vor der Impfung. Und noch mal nein, ich bin sicher nicht uninformiert. Der letzte IQ-Test, den ich gemacht habe, hat vor ein paar Jahren dort ausgeschlagen, wo die Kurve im oberen Bereich der Glockenkurve schon recht flach ist. Es fällt mir recht leicht aus wissenschaftlichen Papers die nötige Information abzugreifen.

Warum also bin ich Systemschaf geimpft?

Nun, mein Handy hat Akku für einen Tag. Und es hat im Betondschungel der Großstadt vielfach nur schwachen Empfang. Die Überwachung meiner Bio-Werte durch injizierten 5G-Chip stresst mich also wenig. Dafür trage ich eine Fitness-Uhr. Die lade ich regelmäßig auf, damit sie meine Bio-Werte praktisch immer melden kann. Oh, ich verwende dieser Werte auch selbst für mich.

Auch die injizierten Nanobots in meiner Blutbahn lassen mich recht kalt. Statt die zu impfen wäre es so viel einfacher z.B. Nestle eine Milliarde Euro zu geben, damit die das in alle Zusatzstoffe streuen. Liebe Mismatcher, versucht mal eine Woche ohne die zwei oder drei (sorry, Mismatcher: sieben oder acht) globalen Riesen zu überleben. Versucht mal also mal diesen Nanobots zu entgehen. Happy Hour, doppelt so viele Nanobots geschenkt!

Also, wie ihr seht: Ich mismatche sogar die Mismatcher. Ich bin daher logischerweise schon geimpft.

Ethisch korrekte Impfpflicht?

Uh. Jetzt wird die von mir verschriftlichte Diskussion mit mir selbst heikel. Ich bin meiner Bequemlichkeit halber geimpft. Ich habe auch im März 2020 schon gesagt: „Wenn ich nach Ägypten ans Rote Meer auf Urlaub fliegen kann, dann lasse ich mich dafür sogar impfen!“

Derzeit sieht es danach aus, dass ich als vollständig Geimpfter genau das tun könnte.

Fein. Damit ist mein Kriterium für eine Impfung erfüllt.

Wie allerdings argumentiere ich nun philosophisch für oder gegen eine allgemeine Impfpflicht?

— Kurzer Einschub: Bis Ende Jänner 2020 waren die beiden Worte „Impfpficht“ in der Medizin und „Trumpfpflicht“ beim Kartenspielen im allgemeinen Sprachgebrauch als vielleicht einzige relevante Worte mit Doppel-pf noch recht gleichberechtigt. Wer dieser Aussage nichts abgewinnen kann, hat vermutlich schon nach dem ersten Absatz aufgehört zu lesen. Einschub Ende.

Nun, ich habe zwei – wie ich meine: gute – Argumente.

Immanuel Kant: Der Freiheitsgedanke

Ich mismatche nun Immanuel Kant derart, indem ich mit wenigen Worten wiedergebe, was sein Freiheitsgedanke ist: „Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.“

Liebe Impfgegner, lasst mich in Ruhe, wenn ich mich impfen lasse. Und: Liebe Impfbefürworter, lasst mich in Ruhe, wenn ich mich nicht impfen lasse.

So weit, so gut. So weit, eine klassische Patt-Situation.

Wie also lösen wir dieses Patt?

Demokratiegedanke des antiken Griechenlands: Das Volk entscheidet in seiner Mehrheit

Das, was die Mehrheit möchte, gilt für alle.

Ja, mehr als 50% der Österreicher sind im August 2021 geimpft. Ja, die Zahlen sind „getürkt“. (Sorry, liebe türkeistämmige Menschen. Ich habe einige sehr liebe Freunde unter euch. Das Wort steht für ich für etwas, das ihr manchmal so gut könnt, dass ich es gerne in der Art lernen würde.)

Dennoch scheint es so, dass jetzt schon ein überwiegender Teil der impfbaren impfwilligen Systemschafe geimpft ist. Vollständig geimpft ist.

Die Mehrheit ist also geimpft. Ob als Systemschaf oder als frei Denkender sei nun mal dahingestellt.

Demokratische Freiheit

In einer philosophischen Demokratie gilt also, dass die möglichen Einschränkungen durch nötige(?) Lockdowns und nötige(?) Schließungen aller möglichen Institutionen die Freiheit der Mehrheit (also der Geimpften) einschränkt.

Damit ist alles zur Impfpflicht gesagt.

Ich persönlich bin gegen die Impfpflicht. Es gibt Direktflüge von Wien ans Rote Meer. Aber die Preise sind unverschämt niedrig, weil zu viele Angst davor haben dorthin zu fliegen. Außerdem habe ich laufende Projekte, um mir den günstigen Schnorchel-Urlaub gönnen zu können. Ich, ganz persönlich, ziehe also meine Vorteile aus der Situation. Und würde das auch gerne nächstes und übernächstes Jahr noch tun.

Toleranz-Paradoxon nach Karl Popper

Interessant: Wenn eine tolerante Macht Intoleranz toleriert, dann verliert sie ihre Toleranz gegen die Intoleranz.

Wer das nicht intuitiv versteht, ist eingeladen Wikipedia und andere Quellen inklusive Social Media als Verständnisunterstützung heranzuziehen.

Fakt ist: Wenn die Mehrheit der Demokratie also die Minderheit der anderen Meinung toleriert, dann hat die Mehrheit verloren und damit hat die Demokratie verloren.

Fazit zur Impfpflicht

Abgesehen von mir hat die demokratische Mehrheit der Systemschafe schon entschieden, dass die Impfung der Weg aus der vielleicht fiktiven oder vielleicht sogar realen Pandemie sein wird.

Freier Wille? Ja. Entscheidet euch für den Impfstoff, den ihr haben möchtet. Aus reiner Wertschätzung heraus ist das das Mindeste, das ihr haben sollt.

Aber im Sinne der Gemeinschaft: Impfpflicht. Mit Doppel-pf. Und klarem „Ja“.