Die Archetypen des Carl Gustav Jung

Archetypen nach Carl Gustav Jung

Als Archetypus oder geläufiger Archetyp, Plural Archetypen, bezeichnet die Analytische Psychologie die dem kollektiven Unbewussten zugehörigen Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster.
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Archetypen sind psychische (auch psychophysische) Strukturdominanten, die als unbewusste Wirkfaktoren das menschliche Verhalten und das Bewusstsein beeinflussen. Auch zum Bewusstsein selbst und zu seiner Entwicklung zeigt die Kulturgeschichte archetypische Bilder, wie zum Beispiel die Himmelslichter, besonders auch die Sonne als Tagesgestirn (auch in Verbindung mit Vorstellungen von lichtbringenden, also symbolisch verstanden bewusstseinsbringenden Gottheiten). Einige Archetypen entsprechen zentralen Ur-Erfahrungen der Menschheit wie z. B. weiblich/männlich, Geburt, Kindheit, Pubertät, Wandlung und Tod. Auch die Vielfalt religiöser Erfahrung kann angesehen werden als nach archetypischen Mustern strukturiert, welche interreligiös (religionsübergreifend) anzutreffen sind. Das tiefenpsychologische Konzept der Archetypen geht auf den Schweizer Psychiater und Psychologen Carl Gustav Jung zurück, der die Analytische Psychologie entwickelte. Es ist ein offenes Konzept, das keine exklusiven Definitionen von Archetypen und keine bestimmte Anzahl derselben enthält.
— aus Archetyp (Psychologie) auf Wikipedia

Das kollektive Unbewusste ist ein von Carl Gustav Jung geprägter Begriff für eine unbewusste psychische ‚Grundstruktur‘ des Menschen und ein Basiskonzept der Analytischen Psychologie.
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C.G. Jung definierte das kollektive Unbewusste als den überpersönlichen Bereich des Unbewussten: Es sei der "Teil der Psyche, der von einem persönlichen Unbewußten dadurch negativ unterschieden werden kann, daß er seine Existenz nicht persönlicher Erfahrung verdankt und daher keine persönliche Erwerbung ist".
— aus Kollektives Unbewusstes auf Wikipedia

Das Konzept des kollektiven Unbewussten ist bei Jung nicht trennbar von seiner Theorie der Archetypen: "Der Begriff des Archetypus, der ein unumgängliches Korrelat zur Idee des kollektiven Unbewußten bildet, deutet das Vorhandensein bestimmter Formen in der Psyche an, die allgegenwärtig und überall verbreitet sind." Archetypische psychische Muster bewirken nach Jung Grundmotive menschlicher Vorstellungen, die aus den kollektiven Bereichen der Psyche heraus auf die individuelle Psyche einwirkten. Sie entwickelten eine bedeutende, unwillkürliche emotionale Kraft, die oft stärker sei als der bewusste Wille des Menschen.
Dem Bewusstsein erscheinen die Archetypen als typische, häufig zu beobachtende Verhaltensmotive und symbolische Vorstellungen, die sich in der Gesellschaft auch als kulturelle Narrative, Gegenstände und/oder Rituale manifestieren.
— aus Kollektives Unbewusstes auf Wikipedia

Nehmen wir mal an – nur so als Gedankenspiel – das es das kollektive Unbewusste gibt. Jeder Mensch, oder vermutlich jedes Lebewesen – ob Tier Pflanze, Pilz oder Alien – wäre dann wohl mit diesem kollektiven Unbewussten verbunden. Hätte also Zugriff darauf, und würde daraus Information beziehen und natürlich eigene Erfahrungen dorthin übertragen.

So wie in mir sich die Erfahrungen meiner Füße mit den Erfahrungen meiner Augen ja auch verbinden. Und wenn ich eine Glasscherbe vor mir sehe, werde ich elegant ausweichen, um nicht dem Fuss die Erfahrung von Unwohlsein zukommen zu lassen. Mein Fuss ist Teil von mir, der Fuss ist damit sozusagen ich. So wie ich der Fuss bin, auch wenn ich zugleich mehr als nur der Fuss bin.

Und eine Stufe höher gedacht bin ich teil des kollektiven Unbewussten, das kollektive Unbewusst ist ich, und doch mehr als ich. Wenn wir mal als Gedankenspiel das kollektive Unbewusste akzeptieren.

Und die Archetypen sind also sozusagen Muster, die aus dem kollektiven Unbewussten in unser menschliches Unbewusste dringen. Da der menschliche Geist in der Regel nicht so unterschiedlich ist, ähnlich limitiert ist, sind auch die wahrgenommenen Muster naturgegeben ähnlich. Und diese in ihrer Natur ähnlichen Muster heissen eben Archetypen.

Andererseis sind die Archetypen dann doch so unterschiedlich und vielfältig, dass ihre Anzahl und ihre genaue Natur nicht exakt einzugrenzen ist.

Archetypen – Aspekte der Seele

Es gibt also laut C.G. Jung kein fix vorgegebenes Set an Archetypen, es ist schlicht keine klare Kategorisierung für alles und jeden möglich. Dennoch gibt C.G. Jung zwölf prinzipielle Archetypen, die in entsprechender Auslegung für uns alle zutreffen:

Der Schatten

Zum Schatten gibt es hier schon einen Artikel. Dazu heißt es: Sei man imstande, den eigenen Schatten zu sehen und das Wissen um ihn zu ertragen, so sei ein kleiner Teil der Aufgabe gelöst: Man habe wenigstens das persönliche Unbewusste aufgehoben. Ein solches Eingeständnis habe den Vorteil der Ehrlichkeit, der Wahrheit und der Wirklichkeit, und damit sei der Weg geebnet für eine kompensatorische Reaktion des kollektiven Unbewussten.
Die Begegnung mit sich selber bedeute zunächst die Begegnung mit dem eigenen Schatten. Der Schatten sei ein Engpass, ein schmales Tor, dessen peinliche Enge keinem, der in den tiefen Brunnen hinuntersteige, erspart bleibe. Man müsse sich aber selber kennen lernen, damit man wisse, wer man sei, denn das, was nach dem Tode komme, sei unerwarteterweise eine grenzenlose Weite voll unerhörter Unbestimmtheit.
Die Persona
Die Persona repräsentiert das eigene öffentliche Bild. Der Begriff leitet sich von dem Wort „Person/Persönlichkeit“ ab und kommt von dem lateinischen Wort für Maske. Die Persona ist also die Maske, die man anlegt, bevor man sich der äußeren Welt zeigt. Obgleich sie als Archetyp entwickelt wird, ist es der Teil, der dem kollektiven Unbewussten am entferntesten ist, sobald die Wahrnehmung der eigenen Persona halbwegs abgeschlossen ist.
Im besten Fall ist die Persona in etwa der „gute Eindruck“, den alle hinterlassen möchten, während man die Rollen spielt, die die Gesellschaft erwartet. Doch sie kann auch der „falsche Eindruck“ sein, den man verwendet, um die Meinung und das Verhalten anderer zu manipulieren. Im schlimmsten Fall kann es sein, dass die Persona mit der wahren Natur verwechselt wird – auch von einem selbst: Manchmal glaubt man selbst, was man in Wirklichkeit nur vorgibt zu sein!
Die Anima bzw. der Animus
Anima heißt Seele und bezeichnet etwas Wunderbares und Unsterbliches. Seele sei das Lebendige im Menschen. Wäre sie nicht schillernd und bewegt, würde der Mensch in seiner größten Leidenschaft, der Trägheit, zum Stillstand kommen. Die Seele sei innerhalb des Dogmas mit einseitigen Strafen und Segnungen bedroht, die weit über menschenmögliches Verdienst hinausgingen. Himmel und Hölle seien Schicksale der Seele.
Jedem Geschlecht wohne das Gegengeschlecht bis zu einem gewissen Teil inne. Die größere Anzahl von Genen gebe zwar den Ausschlag bei der Wahl des Geschlechts, die kleinere Anzahl der Gene des anderen Geschlechts scheine jedoch einen eigenen Charakter zu bilden, welcher infolge seiner Unterlegenheit gewöhnlich unbewusst bleibe.
Der Lehrer
Der Archetypus des Sinnes erscheine meist in Gestalt des alten Weisen, als überlegener Meister und Lehrer. Es sei ein Archetypus des Geistes, welcher den präexistenten, im chaotischen Leben verborgenen Sinn darstelle. Er sei der Vater der Seele, die doch wunderbarerweise seine Jungfrau-Mutter sei.
Der Sinn scheint uns immer das jüngere Ereignis zu sein, weil wir annähmen, dass wir ihn selber gäben, und weil wir glaubten, die Welt könne nicht bestehen, ohne gedeutet zu sein. Doch beruhe die Sinngebung letztlich auf sprachlichen Matrizen, die ihrerseits von urtümlichen Bilder abstammten. Jede Sprach- und Motivgeschichte führe unweigerlich in die primitive Wunderwelt zurück. Der Begriff der Energie weise heute auf physikalisches Geschehen hin. Früher sei es das geheimnisvolle Feuer der Alchemisten gewesen, welches schon ganz nahe an der primitiven Anschauung einer allgemein verbreiteten lebendigen Kraft stehe, einer Wachstums- und magischen Heilkraft, die gewöhnlich als Mana bezeichnet werde.
Die große Mutter
Der Mutterarchetypus repräsentiere neben der Mutter, Göttin oder Geliebten auch das Ziel der Erlösungssehnsucht: Paradies, Reich Gottes, Kirche, Universität, Himmel und Erde. Alle diese Symbole könnten einen positiven oder negativen Sinn haben. Die Eigenschaften des Mütterlichen seien die magische Autorität des Weiblichen, die Weisheit und geistige Höhe jenseits des Verstandes.
Die Entstehung von Neurosen könne auf störende Einflüsse von Seiten der Mutter zurückgeführt werden. Doch seien die Inhalte der abnormen Phantasien nur zum Teil auf die persönliche Mutter zu beziehen. Bei infantilen (kindlichen) Neurosen sei die Instinktsphäre des Kindes gestört und damit die Archetypen konstelliert (aktiviert), welche als ein fremdes und angsterregendes Element zwischen Kind und Mutter träten.
Weitere Archetypen
Darüber hinaus gibt Jung noch mehrere weitere Archetypen, die er selbst schon als „typisch“ für die menschliche Seele erachtet hat. Doch diesen Archetypen, bzw. auch den etwas anderen Herangehensweisen in der Kategorisierung der Archetypen, werde ich mich hier später widmen. Erst mal sind die aufzuarbeiten, die hier bereits gegeben sind. Und auch das wird erst in Folgebeiträgen geschehen.