Abhängigkeit von Pornografie

Als häufige Motive für die sogenannte Pornosucht – Abhängigkeit von Pornografie – sehen die Experten fehlende sexuelle Befriedigung, Einsamkeit (oft trotz Beziehung und Familie) und fehlenden Lebenssinn. Die Sucht verstärkt jedoch nur das Leiden. Laut einer Studie haben Nutzer von Erotik-Angeboten im Web alarmierend oft Depressionen, Angstgefühle und Stress. Viele Online-Sexsüchtige sind weniger interessiert am Partner und dem sozialen Umfeld und ihre Beziehungsfähigkeit lässt, fast proportional zur Sucht, nach. Denn statt mit anderen zu kommunizieren, kreisen sie im Leben zunehmend um sich selbst und um die eigene Befriedigung.

Begriffsdefinitionen

Pornografie, auch Pornographie, ist die direkte Darstellung der menschlichen Sexualität oder des Sexualakts, in der Regel mit dem Ziel, den Betrachter sexuell zu erregen. Dabei werden die Geschlechtsorgane in ihrer Aktivität häufig bewusst betont

Wikipedia: Pornografie

Abhängigkeit (umgangssprachlich Sucht) bezeichnet in der Medizin das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und die sozialen Chancen eines Individuums.

Wikipedia: Abhängigkeit

Als substanzungebundene Abhängigkeit bezeichnen Psychologie und Psychotherapie jene Formen psychischer Zwänge und Abhängigkeiten, die nicht an die Einnahme von psychoaktiven Substanzen (wie z. B. Alkohol, Nikotin oder anderer Drogen) gebunden sind.
Sie ist durch wiederholte Handlungen ohne vernünftige Motivation gekennzeichnet, die nicht kontrolliert werden können und die meist die Interessen des betroffenen Patienten oder anderer Menschen schädigen. Betroffene berichten von impulshaftem Verhalten. Die Abhängigkeit kann die Lebensführung beherrschen und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führen.

Wikipedia: Substanzungebundene Abhängigkeit

Fünf Sinne und Online-Sexsucht

Um die Abhängigkeit von Pornografie etwas näher zu erörtern, beschäftigen wir uns erst mal mit unseren fünf Sinnen: Wir haben fünf Sinne, über die wir unsere Umwelt wahrnehmen und mittels derer wir mit unserer Umwelt interagieren: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken.

Im echten Leben – im Hier&Jetzt – ist es die absolute Ausnahme, dass eine Wahrnehmung in nur einem Sinn erfolgt. Alles was im sehr nahen Umfeld, im körperlichen Bereich, passiert involviert in der Regel vier oder alle fünf Sinne.

Wenn mir jemand nahe gegenübersteht, dann kann ich diese Person sehen, hören (auch wenn die Person nichts sagt: Atmung, Bewegungsgeräusche, …), Fühlen (die „Energie“, Luftbewegungen durch Atmung oder Bewegung, …), Riechen und unter Umständen auch Schmecken (weil in der Luft Verbindungen sind, auf die Geschmacksknospen anschlagen).

Mittels der Spiegelneuronen, die uns ja relativ gleich empfinden lassen, kann ich dieses gegenüber auch auf emotionaler Ebene spüren.

Alle unsere Sinne haben eine gewisse Bandbreite dessen, was wir wahrnehmen können. So können wir weder Infrarot noch Ultraviolett sehen, nur alles dazwischen. Wir können Infraschall genau so wenig hören wie Ultraschall. Und auch unsere Spiegelneuronen, die eine Form der Empathie darstellen, haben ein Spektrum an Emotionen und Stimmungen, das wir derart aufnehmen können.

Im Film kriege ich nur visuelle Reize (Sehen) in einem kleinen Bereich (dem Bildschirm) und auditive Reize (Hören) in von Aufzeichnung und vom Lautsprecher begrenzter Qualität präsentiert. Dies ist weit weg von echtem Erleben.

Spiegelneuronen und Resonanz

Ein wirklich guter Schauspieler verschmilzt so sehr mit seiner Rolle, dass die gezeigte Gestik und Mimik so authentisch wirkt, dass wir mittels Spiegelneuronen mit dem Film mitleben.

Wenn ich jetzt überwiegend billige B-Movies mit schlechten Schauspielern sehe (ich persönlich nenne das zusammengefasst „Fernsehprogramm“) dann trainiere ich meine ganze Wahrnehmung inklusive Spiegelneuronen darauf mit diesen Elementen in Resonanz zu gehen. Und entferne mich derart ganz weit vom echten Leben im Hier&Jetzt.

Und jetzt stellen wir uns billigst produzierte mehrminütige Clips vor, in denen oft durch Drogen und Medikamente beeinflusste Menschen Dinge tun. Ja, Selbsthilfevideos auf YouTube zum Beispiel. Oder auch Pornoclips.

Ich bringe mir bei mit diesen Menschen in Resonanz zu gehen. Somit trainiere ich mich in meinem Problembereich darauf mit einem x-beliebigen Wabbler in Resonanz zu gehen. Oder ich trainiere mich mit zumindest im Moment der Aufnahme emotional gestörten Menschen in Resonanz zu gehen, wenn es im jeglichen sexuellen Kontext geht: Umgang mit Menschen des anderen sexuell anziehenden Geschlechts.

Die Gedankenwelt und die Abhängigkeit von Pornografie

Unsere Sinne nehmen jeden Augenblick unzählige Informationen auf. Durch verschiedenste Verarbeitungsstufen in unserer Neurologie entsteht aus der Vielzahl von Informationen sieben plus minus zwei – also zumindest fünf, höchstens neun – Dingen, die wir Menschen gleichzeitig im Kurzzeitarbeitsgedächtnis haben können.

Aus den wahrgenommenen Ausschnitt der tatsächlichen Realität machen wir also ca. sieben Dinge, auf denen basierend wir unsere Gedanken gestalten. Wir bilden also Symbole, mit denen und durch die wir unser Leben gestalten.

Bei diesem Bilden der Symbole gehen natürlich unzählige Details verloren und unsere bisherigen Erfahrungen und unsere Prägung beeinflusst maßgeblich welche Symbole wir zu unserem Erleben erschaffen.

Aber die Symbole sind nicht die Wirklichkeit. Das Wort „Apfel“ ist weder ein echter Apfel, noch ruft es in jedem Menschen das gleiche innere Bild eines Apfels hervor.

Und auch hier trainieren wir unsere Neurologie. Das echte Leben ist anders als ein guter Film, und der ist wiederum ganz anders als billige Videoclips. Egal ob als Selbsthilfe auf YouTube oder als Porno auf einem der Portale.

Welche Symbole du also erschaffst, basierend auf welchen Grundlagen, ist also allein deine Entscheidung.

Wundert es noch wen warum Süchtige derart lange die Sucht leugnen und alles unter klarer Kontrolle sehen? Sie erschaffen ihre eigene Wirklichkeit, indem sie ihre Neurologie darauf trainieren.

Folgen der Abhängigkeit von Pornografie

Generally, research tells us that one partner’s use of pornography tends to result in the following:
– An overall decrease in relationship happiness and satisfaction
– Decreased sexual gratification within the relationship
– Lack of contentment with the couple’s decision-making process

How Porn Actually Affects Your Relationship (According To Science)

In gutes altes Deutsch übersetzt sind die Folgen regelmäßigen Konsums von Pornografie – also: Abhängigkeit von Pornografie – durch zumindest einen Beziehungspartner:

  • Allgemeiner Rückgang von Glück und Zufriedenheit
  • Verminderte sexuelle Befriedigung
  • Mangelnde Zufriedenheit mit der gemeinsamen Entscheidungsfindung

Generell lässt sich sagen, dass Frauen es unbewusst als Untreue sehen, wenn ihr Partner sich Pornografie zu Gemüte führt, zeigt er doch derart seine Gier auf andere Frauen. Währenddessen finden Männer es eher erregend, wenn ihre Partnerin Pornografie konsumiert, bringt sie doch damit (endlich?) den richtigen Zugang zu Sexualität mit.

Beides sind Reaktionen, die beide verletzen. Es ist also beziehungstechnisch eine Lose-Lose-Situation ohne positiven Nutzen.

Verwendung digitaler Inhalte

Üblicherweise wird Pornografie verwendet, um sich selbst zu befriedigen. Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden, außer, dass Männer sich damit konditionieren möglichst schnell zu kommen. Für Männer wie Frauen gilt: Da sie durch das Schauen der Pornos praktisch ausschließlich im Kopf sind, nehmen sie ihren Körper nicht wirklich wahr. Männer fühlen sich damit in sexuellem Erleben mit einer Partnerin verunsichert und gekoppelt mit der Konditionierung auf einen schnellen Höhepunkt bringt das ein schnelles Ende des Verkehrs.

Ernstgemeinter Warnhinweis: Die typischen Hollywood-Romantik-Schnulzen machen mit emotionalem Beziehungsleben genau das gleiche, was Pornografie mit sexuellem Beziehungsleben macht: Es bringt aus dem echten Leben mit emotionalem oder sexuellem Erleben in den Kopf, und dissoziiert somit von echten Emotionen und dem echten Leben im Hier&Jetzt. Abhängigkeit von Pornografie ist also vergleichbar mit Abhängigkeit von Romanzen.

Überlege also gut, was du konsumieren möchtest, und wie du diesen Konsum reflektieren und damit „aufräumen“ möchtest.

Gemeinsam Pornografie schauen

Konsumieren beide Beziehungspartner gemeinsam Pornografie überlagern sie ihren Zugang zu Sexualität mit den dargestellten Inhalten. Beide werden ihren Zugang zur natürlichen eigenen Sexualität verlieren, die Beziehung wird sehr rasch an allen Qualitäten verlieren.

Im Yoga heißt es immer, es braucht 42 Wiederholungen, bis eine neue Gewohnheit felsenfest verankert ist und alte Gewohnheiten auch auf unbewusster Ebene vollkommen ersetzt hat. Moderne Lernpsychologie sagt, dass drei gut aufbereitete Wiederholungen reichen, wenn eine Motivation oder Konditionierung vorliegt.

Conclusio daraus wäre, dass nach drei- bis längstens 42maliger Wiederholung von gemeinsamen Konsums von Pornografie die Beziehung nachhaltig zum Schlechteren verändert ist.

Und das ist keine einmalige Sache, denn es wird danach ja immer wieder in Zyklen das Genre der Pornografie gewechselt. Und es wird noch mehr natürliche Sexualität zugunsten künstlicher abstrakter Akte abgebaut. Wenn dann das körperliche Beziehungsleben an zwei Zombies erinnert wechseln manche Gruppenaktivitäten, oder auch sogenannte spirituelle Aktivitäten.

Tatsächlich sind es zwei Zombies geworden, die erst mühsam mit viel Zeit- und Energieaufwand wieder in ihrem Körper bei sich selbst ankommen dürfen.

Ist es möglich das gemeinsam zu schaffen? Ja, werden viele sagen. Aber es braucht in der Regel nur wenige Fragen aus dem Coaching (Ich empfehle Konfrontationstechniken aus „Provokative Interventionen“ oder „Emotional Freedom Technique“) um diese Selbstlüge aufzudecken.

Abhängigkeit von Pornografie loslassen

Wie bei allen Abhängigkeiten, Süchten und allem zwanghaften Verhalten: Es alleine zu schaffen ist sehr schwer. Es gibt genügend Fallbeispiele, in denen es Menschen geschafft haben. Die meisten fahren eindeutig besser, wenn sie sich externe Unterstützung holen.

Wenn ein Paar in einer Beziehung unter Abhängigkeiten, Süchten oder zwanghaftem Verhalten leidet ist die Zahl der erfolgreichen Fallbeispiele noch sehr viel geringer. Es müssten sich zwei Menschen in der gleichen Geschwindigkeit in die gleiche Richtung verändern. Das erfordert eine tiefe innere Verbindung und ist selbst dann unter professioneller Anleitung sehr schwierig.

Meine ganz klare Empfehlung an alle Betroffene ist also sich externe Unterstützung zu holen. Und zwar schnellstmöglich, denn Zuwarten wird nichts verbessern.

Du möchtest damit lieber noch warten? Lies doch den Beitrag Drei Fragen und die Reflexion.